Google startet gemeinsam mit der britischen Regierung und Vertretern der Luftfahrtbranche die "Operation Blue Skies". Das Projekt soll mithilfe von Künstlicher Intelligenz dabei helfen, klimaschädliche Kondensstreifen im stark beflogenen Nordatlantik zu vermeiden. Kondensstreifen entstehen, wenn warme Triebwerksabgase in großer Höhe auf sehr kalte und feuchte Luft treffen. Unter bestimmten Bedingungen können daraus langlebige Eiswolken entstehen, die zusätzliche Auswirkungen auf das Klima haben.
Genau hier setzt das neue Projekt an. KI-gestützte Vorhersagen sollen anzeigen, in welchen Bereichen des Luftraums die Wahrscheinlichkeit für langlebige Kondensstreifen besonders hoch ist. Fluglotsen und Flugzeugcrews sollen diese Informationen anschließend nutzen können, um entsprechende Gebiete gezielt zu umfliegen. Kondensstreifen sind für rund ein Drittel der gesamten Klimafolgen der Luftfahrt verantwortlich, heißt es. Die Initiative konzentriert sich deshalb auf einen Bereich, in dem besonders viele Flugzeuge unterwegs sind.
"Operation Blue Skies" ist auf 30 Monate ausgelegt. In zwei Testphasen sollen rund 10.000 kommerzielle Flüge im Nordatlantikkorridor koordiniert werden. Das Besondere: Der Ansatz soll nicht nur bei einzelnen Flugzeugen oder ausgewählten Strecken getestet werden. Erstmals wird die Methode auf einen gesamten Luftraum ausgeweitet. Dadurch soll sich zeigen, ob KI-basierte Vorhersagen auch bei einer großen Zahl von Flügen praktisch eingesetzt werden können. Für die Crews bedeutet das eine zusätzliche Information bei der Flugplanung.
Statt pauschal größere Umwege zu fliegen, sollen gezielt jene Bereiche identifiziert werden, in denen die Entstehung problematischer Kondensstreifen wahrscheinlicher ist. Google beteiligt sich auf Pro-bono-Basis an dem Projekt. Der Konzern bringt seine Expertise bei KI sowie Recheninfrastruktur ein. Die britische Regierung und Vertreter der Luftfahrtbranche sind ebenfalls an der Initiative beteiligt. Gemeinsam soll nun über einen längeren Zeitraum geprüft werden, ob sich die Vorhersagen unter realen Bedingungen für den Flugverkehr nutzen lassen.
Der Nordatlantik eignet sich für den Versuch auch deshalb, weil dort täglich eine große Zahl kommerzieller Flüge unterwegs ist. Die beiden Testphasen sollen zeigen, wie zuverlässig die KI mögliche Kondensstreifen-Zonen erkennt und ob Flugzeuge diese Bereiche tatsächlich mit vertretbarem Aufwand umfliegen können. Ob sich daraus später ein dauerhaftes Verfahren für den internationalen Flugverkehr entwickelt, steht noch nicht fest. Zunächst soll der 30-monatige Versuch belastbare Daten liefern.