50 Cent für Frauen

Gratis-Klo für alle? Wien prüft Ende der WC-Gebühr

Während Männer viele Pissoirs gratis benutzen können, müssen Frauen teilweise 50 Cent bezahlen. Die Stadt prüft nun kostenlose Toiletten für alle.
Wien Heute
28.08.2026, 17:39
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Wer in Wien unterwegs ist und dringend aufs Klo muss, wird derzeit je nach Bedürfnis zur Kasse gebeten. Während Pissoirs bei zahlreichen öffentlichen WC-Anlagen kostenlos benutzt werden können, sind für eine Kabine 50 Cent fällig. Diese Ungleichbehandlung könnte künftig ein Ende haben.

Im Regierungsübereinkommen von SPÖ und Neos ist ausdrücklich festgehalten: "Wir prüfen, die Nutzung aller öffentlichen Toiletten für alle Menschen kostenlos zur Verfügung zu stellen, ohne Unterschiede zwischen Pissoir und Einzelkabinen."

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80 von 167 WC-Anlagen kostenlos

Wie das Büro des zuständigen Stadtrats Jürgen Czernohorszky (SPÖ) mitteilte, läuft die Evaluierung allerdings noch. Ein Ergebnis gibt es derzeit nicht. Klar ist zumindest: Eine Lösung, bei der künftig auch für die bisher kostenlosen Urinale kassiert wird, ist laut Regierungsübereinkommen nicht das Ziel.

Die MA 48 verwaltet insgesamt 167 stationäre öffentliche WC-Anlagen in Wien. Mehr als 80 Prozent davon können laut Rathaus bereits kostenlos genutzt werden. Bei 27 besonders stark frequentierten Standorten sorgt externes Personal zu bestimmten Zeiten für Sauberkeit.

50 Cent für Reinigungsaufwand

Dort kostet die Nutzung einer WC-Kabine 50 Cent, während der Pissoirbereich gratis zugänglich ist. Die Stadt begründet das mit dem höheren Reinigungsaufwand bei Kabinen. Außerhalb der Betreuungszeiten ist ein großer Teil dieser Anlagen ebenfalls kostenlos zugänglich.

Die unterschiedliche Behandlung sorgt schon länger für Kritik. Eine Wienerin brachte zuletzt sogar eine Klage ein, weil sie darin eine Diskriminierung sieht. Auch Volksanwältin Gaby Schwarz kritisiert das Wiener Modell seit Jahren scharf. Die Ankündigung der Stadt, eine kostenlose Nutzung zu prüfen, bezeichnet Schwarz nun als "Schritt in die richtige Richtung".

Volksanwältin für rasche Prüfung

"Erneut zeigt sich, dass die Beharrlichkeit der Volksanwaltschaft Früchte trägt. Seit drei Jahren kritisiere ich die Toiletten-Diskriminierung von Frauen bei zahlreichen öffentlichen WC-Anlagen in der Bundeshauptstadt. Dass Männer Pissoirs gratis nützen können, WC-Kabinen jedoch 50 Cent kosten, ist mit keinem Argument erklärbar. Diskriminierung bleibt Diskriminierung. Es bleibt zu hoffen, dass die Prüfung rasch erfolgt und am Ende des Tages eine weitere Ungleichbehandlung beseitigt wird. Entweder es zahlen alle oder niemand", meint Schwarz.

Auch das Argument der höheren Reinigungskosten lässt Schwarz nicht gelten: "In Wien kostet Gleichberechtigung für Frauen extra, nämlich 50 Cent pro Erleichterung. Die Begründung, dass bei WC-Kabinen ein höherer Reinigungsaufwand nötig ist, lasse ich nicht gelten. Denn seien wir ehrlich – Männer treffen bei einem Urinal auch nicht immer ins Schwarze."

Schluss mit Toiletten-Diskriminierung

Ihre Forderung an die Stadt ist eindeutig: "Ich erwarte von der Stadt Wien, diese Ungleichbehandlung umgehend zu beheben. Entweder es zahlen alle oder es zahlt niemand. Schluss mit Toiletten-Diskriminierung. Gleichbehandlung beim Toilettengang ist kein Luxus, sondern Pflicht", so Schwarz.

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