Österreichs Ski-Herren taumeln bei den Olympischen Winterspielen in Richtung historischer Pleite. Nach drei Einzelrennen ist die Bilanz erschreckend: null Medaillen in Abfahrt, Super-G und Riesentorlauf. Für eine Skination wie Österreich ist das ein Schlag ins Gesicht – und könnte im schlimmsten Fall als eines der bittersten Olympia-Kapitel in die Geschichte eingehen.
Einzig in der Team-Kombination gab es bisher Grund zum Jubeln: Vincent Kriechmayr und Manuel Feller holten Silber. Doch auch diese Medaille kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die ÖSV-Herren in den klassischen Einzelbewerben bisher komplett leer ausgegangen sind. Auch deshalb soll Cheftrainer Marko Pfeifer angezählt sein. Aber auch international sorgt die historische Olympia-Pleite für Stirnrunzeln.
Die Schweizer Ski-Ikone Beat Feuz findet deutliche Worte: "Es ist nicht gut für den Skisport, dass sie (in den Einzeldisziplinen) keine Medaillen geholt haben. Österreich braucht man als Skination", sagt der Olympiasieger. "Blick"-Reporter Marcel W. Perren geht sogar noch weiter und nennt den ÖSV die "große Enttäuschung" dieser Spiele.
Während die Schweiz in Bormio mit einer breiten Spitze glänzt, wirkt Österreich im entscheidenden Moment harmlos. Und genau das macht die Situation so brisant: Im Weltcup war der ÖSV zuletzt durchaus konkurrenzfähig – doch bei Olympia, wenn es zählt, fehlt plötzlich die letzte Schärfe. Feuz ortet die Probleme tiefer: "Es muss sicher strukturell wieder etwas vorwärtsgehen. Sie müssen wieder eine Masse heranbringen. Da ist die Schweiz aktuell die Nummer eins!"
Jetzt bleibt nur noch ein Rettungsanker: der Slalom am Montag. Dort soll der große Befreiungsschlag gelingen. Sonst droht Österreich tatsächlich eine historische Olympia-Blamage: keine einzige Medaille in den Einzeldisziplinen – das gab es bisher nur einmal: 1936.