Kundgebung für den Notarzt-Erhalt in Purkersdorf: Zahlreiche Menschen kamen und Bürgermeisterin Jasmin Klemmer-Schlögl betonte, dass man "unseren Notarzt sicher nicht kampflos" aufgeben würde.
Sie bedankte sich für die regionalen und überregionalen Aktivitäten des Komitees "Notarzt-bleibt", für das Stadtrat Josef Baum sprach: "Wir haben gleich nach dem Abschaffungsbeschluss Petitionen, Vorsprachen und Kundgebungen gemacht, denn warum sollte man ein nun genau 30 Jahre gut funktionierendes System zugunsten einer unsicheren Alternative aufgeben? Wir haben noch keinen Erfolg, haben aber zusammen mit anderen 10 betroffenen Regionen die starre Haltung des Landes schon aufgeweicht, und gute Chancen: Denn für einen der bedrohten Notarzt-Standorte, Waidhofen an der Ybbs gibt es schon eine konkrete Lösung. Und die - nicht anwesenden - Bürgermeister der Nachbargemeinden, sollten sich nicht fürchten."
Weiter heißt es in einer Aussendung zur Kundgebung: "Sie könnten sich ein Beispiel an einer Person nehmen, Andrea Kdolsky, die nichts fürchtete. Sie war zuletzt u.a. Präsidentin des Samariterbundes Purkersdorf und hatte sich als Rednerin für diese Kundgebung gemeldet. Ihr bedauerliches Schicksal ist bekannt: Für sie folgte eine stille Trauerminute."
Dr. Peter Balas, Allgemeinmediziner mit Notarzt-Ausbildung aus Gablitz fasste aus seiner langjährigen Praxis die wichtigsten Argumente für den Erhalt des Notarztstützpunktes in Purkersdorf zusammen
Auch drei Landespolitiker gaben Kurzstatements ab: Zunächst berichtete SPÖ-Landespartei-Chef und Landesrat Sven Hergovich, selbst Purkersdorfer, über seine letzten Aktivitäten für den Notarzterhalt, die ihm vonseiten der Landeskoalition rauen Gegenwind, aber selbst von vielen ÖVP-Bürgermeistern und -gemeinderäten auch große Zustimmung bringe.
Helga Krismer, Chefin der Grünen NÖ, führte aus, dass die Grünen im Landtag von Anfang an den "Gesundheitsplan 2040+" inklusive der Abschaffung von 11 Notarztstützpunkten für nicht ausgereift hielten und daher als einzige im Landtag nicht zustimmten.
Max Zirngast, Landessprecher KPÖ und Gemeinderat in St. Pölten, betonte, dass die starken Bewegungen in den betroffenen Regionen das Um und Auf seien, die große Aufmerksamkeit in den Medien bewirkt haben, und die Landespolitik so unter Druck setzen. Die KPÖ habe diese Bewegungen von Anfang an zuvorderst nach Kräften unterstützt und werde diese auch weiter tun.
Eine langjährige Sanitäterin, die im Rettungs-Helikopter tätig war, schilderte eindrucksvoll auch die Grenzen des Heli-Einsatzes und begründete, warum ein Notarzt einen Unterschied mache.
Johanna Knie, die jahrzehntelang beim Roten Kreuz auch als Ausbildnerin aktiv war, stellte anschaulich dar, "was es heißt, wenn bei einem Wegfall des Notarztes nun Sanitäter mehr oder weniger die Rolle des Notarztes übernehmen sollen, und welche Grenzen dabei Telemedizin hat", heißt es in der Aussendung weiter.
Altbürgermeister Karl Schlögl, unter dessen Bürgermeisterschaft vor 30 Jahren das jetzige Notarztsystem in Purkersdorf eingeführt worden war, bezeichnete schließlich die geplante Abschaffung von Notärzten wörtlich als "Schande". Er stellte dar, wie er vor etwa 10 Jahren schon einmal die Abschaffung des Notarztes letztlich hintanhalten konnte, begrüßte die jetzige Bewegung und sicherte ihr weitere Unterstützung zu.
Die Kundgebung endete in Optimismus und einem Zusammenhaltsgefühl.