Der Elektroauto-Boom in Niederösterreich nimmt ordentlich Fahrt auf! Noch nie entschieden sich so viele Neuwagenkäufer für ein reines Elektroauto wie im September 2026. Laut einer aktuellen Analyse der Mobilitätsorganisation VCÖ waren 35 Prozent aller neu zugelassenen Pkw elektrisch unterwegs. Das ist ein neuer Monatsrekord.
Zum Vergleich: Im September des Vorjahres lag der Anteil noch bei rund 21 Prozent, im Jahr 2019 waren es gerade einmal drei Prozent. Besonders auffällig ist die Entwicklung innerhalb weniger Monate: Im heurigen Jänner betrug der E-Auto-Anteil 22 Prozent, im August bereits 32 Prozent und im September schließlich 35 Prozent.
Ein wesentlicher Grund für den starken Anstieg ist laut VCÖ die heurige Treibstoffkrise. Immer mehr Autofahrer wollen sich von Benzin und Diesel unabhängig machen. Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Hausdach hat, kann den Strom für sein Elektroauto sogar selbst erzeugen.
"Mit steigendem Elektroauto-Anteil sinkt unsere Abhängigkeit von Erdölimporten", erklärt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk. Während Strom für Elektroautos im eigenen Land produziert werden könne, müsse Erdöl teuer importiert werden. Dadurch würden jährlich viele Milliarden Euro aus Österreich ins Ausland fließen. Ein weiterer Vorteil: Elektromotoren sind deutlich effizienter als klassische Verbrennungsmotoren. Mit derselben Energiemenge kommen Elektroautos laut Umweltbundesamt im Schnitt dreimal so weit wie Benzin- oder Dieselautos.
Der VCÖ fordert angesichts der Entwicklung auch politische Konsequenzen. Besonders Firmenautos stehen dabei im Fokus. Denn rund zwei Drittel aller Neuwagen in Österreich werden auf Unternehmen oder andere juristische Personen zugelassen.
Die Mobilitätsorganisation verlangt daher, steuerliche Begünstigungen für Firmenwagen mit Verbrennungsmotor schrittweise abzuschaffen. Als Vorbild dient Belgien, wo die steuerliche Absetzbarkeit entsprechender Fahrzeuge ausläuft.
Doch Elektroautos könnten künftig noch eine ganz andere Rolle spielen: Sie sollen dabei helfen, das Stromnetz zu stabilisieren. Werden die Fahrzeuge gezielt dann geladen, wenn besonders viel Sonnen- oder Windstrom verfügbar ist, kann überschüssige Energie besser genutzt werden. "Gesteuertes Laden ermöglicht, dass der Strom dann getankt wird, wenn große Mengen an Sonnen- oder Windenergie produziert werden", erklärt Schenk.
Das Potenzial ist groß: Laut VCÖ stehen Autos durchschnittlich 23 Stunden täglich auf einem Parkplatz. Schon jetzt finden 88 Prozent der Ladevorgänge zu Hause statt, weitere neun Prozent am Arbeitsplatz. Nur drei Prozent entfallen auf öffentliche Ladestationen. Der Rekord könnte also erst der Anfang sein.