In Niederösterreich wird das Auto für viele Menschen immer wichtiger. Vor allem am Land sind die Bewohner häufig auf den eigenen Pkw angewiesen. Eine aktuelle Analyse des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) zeigt jetzt: Die Unterschiede zwischen Stadt und Land werden immer größer. Besonders auffällig ist die Entwicklung im Waldviertel.
Der Bezirk Waidhofen an der Thaya hält sogar einen österreichweiten Rekord. Auf 1.000 Einwohner kommen dort mittlerweile 787 Autos. Das ist der höchste Wert im ganzen Land. Zum Vergleich: Vor 20 Jahren waren es erst 605 Pkw.
Auch die nächsten Plätze gehen an das Waldviertel. In Zwettl sind 760 Autos pro 1.000 Einwohner zugelassen, in Horn 747 und in Gmünd 743. Damit liegen gleich vier Waldviertler Bezirke an der Spitze Niederösterreichs.
Ganz anders sieht die Situation in den größeren Städten aus. In Wiener Neustadt kommen auf 1.000 Einwohner nur 569 Autos, in St. Pölten sind es 579 und in Krems 592. Der Unterschied ist enorm: Während in Waidhofen an der Thaya rechnerisch fast acht Autos auf zehn Einwohner kommen, sind es in Wiener Neustadt weniger als sechs.
Auch im Jahresvergleich steigt die Zahl der Autos weiter. Niederösterreichweit erhöhte sich die Pkw-Dichte von 662 im Jahr 2024 auf 670 im Jahr 2025.
Der hohe Autobesitz schlägt sich auch im Geldbörsel nieder. Laut Statistik Austria verfügten im Vorjahr bereits 41 Prozent der niederösterreichischen Haushalte über mindestens zwei Autos.
Wie teuer das werden kann, zeigt eine weitere VCÖ-Auswertung: Haushalte mit zwei Autos geben im Schnitt 930 Euro pro Monat für ihre Mobilität aus. Das sind rund 390 Euro beziehungsweise 72 Prozent mehr als Haushalte mit nur einem Auto. Gerade angesichts der aktuellen Treibstoffkrise werden diese Kosten für viele Familien zur Belastung.
"Die vom Krieg im Nahen Osten verursachte Treibstoffkrise verdeutlicht, wie teuer uns die Abhängigkeit von Erdöl und vom Auto kommt", erklärt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.
Der Verkehrsclub sieht vor allem im ländlichen Raum dringenden Handlungsbedarf. Zusätzliche Busverbindungen, flexible Shuttlebusse, Carsharing und sichere Radwege sollen dafür sorgen, dass Bewohner nicht für jeden Weg ins Auto steigen müssen.
Denn vielerorts fehlt es schlicht an Alternativen. Wer beispielsweise zum nächsten Nahversorger oder in den Nachbarort möchte, muss häufig über Freilandstraßen fahren, auf denen Tempo 100 erlaubt ist.
"Wenn die einzige Verbindung zwischen einer Siedlung und dem nächstgelegenen Ortsgebiet eine Freilandstraße ist, wo Autos mit 100 km/h fahren, ist es verständlich, dass auch kurze Strecken mit dem Auto gefahren werden", betont Schenk. Der VCÖ fordert deshalb auch eine Stärkung der Ortskerne. Geschäfte, Einrichtungen und Wohngebiete sollen näher zusammenrücken, damit alltägliche Wege wieder häufiger zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigt werden können.