Damit hatte wohl niemand gerechnet: Ausgerechnet Donald Trump zeigt sich beim Besuch von König Charles III. in Washington von seiner ungewohnt selbstkritischen Seite. Schon nach der Rede des Monarchen vor dem US-Kongress findet der Präsident klare Worte – und die haben es in sich.
"Er hat eine großartige Rede gehalten", sagt Trump zunächst anerkennend. Doch es bleibt nicht bei diesem Kompliment. Beim anschließenden Staatsdinner legt er nach – und sorgt damit für einen der bemerkenswertesten Momente des Abends.
"Er hat die Demokraten zum Aufstehen gebracht. Das habe ich nie geschafft", witzelt Trump vor den geladenen Gästen im Weißen Haus.
Der Satz sorgt für Lacher, trifft aber auch einen politischen Nerv. Denn während Trump für seine polarisierende Rhetorik bekannt ist, gelingt es Charles mit seinem diplomatischen Ton offenbar, selbst politische Gegner zu erreichen.
Dass Trump öffentlich so offen lobt, ist selten. Umso mehr fällt auf, wie locker und beinahe bewundernd er sich an diesem Abend gibt. Beobachter sehen darin auch ein bewusstes Signal: Trotz angespannter Beziehungen zwischen Washington und London soll der Staatsbesuch Einigkeit demonstrieren.
König Charles nutzt diesen Moment geschickt. Mit seiner ruhigen, humorvollen Art und einer Rede, die parteiübergreifend Applaus erntet, positioniert er sich als verbindende Figur – ganz im Sinne der klassischen royalen "Soft Power".