Die Heizsaison hat begonnen, für viele Menschen in Tirol endet das in einer finanziellen Notlage. Hohe Stromrechnungen, teure Heizkosten und saftige Nachzahlungen bringen immer mehr Haushalte in Schwierigkeiten. Bei der Caritas Tirol ist der Andrang auf die Sozialberatung enorm.
Weit über 3.000 Sozialberatungen hat die Hilfsorganisation heuer bereits durchgeführt. Mehr als 80 Prozent der Anfragen betreffen die Bereiche Wohnen und Energie. In mehreren hundert Fällen musste die Caritas bereits mit finanziellen Mitteln einspringen, damit Betroffene ihre Strom- oder Heizrechnungen bezahlen konnten, das berichtet der ORF.
Besonders alarmierend: Die finanziellen Probleme begannen nicht erst mit den sinkenden Temperaturen. Bereits im Sommer sorgten hohe Nachzahlungen für Strom, Heizung und Betriebskosten für einen überraschend großen Ansturm auf die Beratungsstellen.
Jetzt blicken viele Menschen mit Sorge auf die kommenden Wintermonate. Wie angespannt die Lage ist, zeigen auch die Zahlen des jüngsten Armutsberichts des Landes: Jeder achte Mensch in Tirol ist armutsgefährdet.
Für Menschen an oder unter der Armutsgrenze werde das Heizen jetzt wieder zu einem prekären Thema, warnt Caritas-Direktorin Elisabeth Rathgeb.
Wer seine Energierechnungen nicht mehr bezahlen kann, findet bei verschiedenen Stellen Unterstützung. Die Caritas Tirol bietet neben der Sozialberatung auch konkrete Hilfsprojekte an.
Beim Projekt "Energie sparen im Haushalt" erhalten Betroffene etwa Beratung und Unterstützung bei der Anschaffung energiesparender Geräte. Auch das Land Tirol bietet mit dem Heizkostenzuschuss finanzielle Hilfe an.
In Kufstein gibt es zudem einen Energie-Sozialfonds, über den Sozialvereine Gutscheine an Menschen in finanziellen Notsituationen ausgeben können.
Derzeit greift diese Unterstützung nur noch dann, wenn eine Stromabschaltung bereits droht oder erfolgt ist. Aus Sicht der Caritas sollte Betroffenen schon früher geholfen werden.
Caritas-Direktorin Elisabeth Rathgeb sieht allerdings weiteren Handlungsbedarf. Sie fordert, den zuletzt verschärften Zugang zum bundesweiten Wohnschirm-Energie wieder zu lockern, das fordert sie im ORF.
Langfristig hofft Rathgeb außerdem auf eine Sanierungsoffensive für Mietwohnungen. Denn gerade Menschen mit niedrigem Einkommen leben häufig in schlecht sanierten Wohnungen mit veralteten Heizsystemen.
"Denn viele Menschen der unteren Einkommensschichten leben in schlecht sanierten Mietwohnungen mit ineffizienten, veralteten Heizsystemen und haben deswegen dann auch noch höhere Heizkosten zu tragen, als es heute eigentlich notwendig wäre", erklärt die Caritas-Direktorin.
Besonders bitter: Ausgerechnet jene Menschen, die ohnehin wenig Geld zur Verfügung haben, müssen wegen schlechter Dämmung und alter Heizungen oft besonders hohe Energiekosten stemmen.