Antrag gegen Wirtshaussterben

Hilferuf: "Es rechnet sich nicht mehr, Wirt zu sein"

In Oberösterreich haben sich Gastronomen zusammengeschlossen und schlagen Alarm. Die Politik müsse rasch etwas gegen das Wirtshaussterben unternehmen.
Peter Reidinger
19.01.2026, 03:00
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Wirte steigen gegen das Wirtshaussterben in OÖ jetzt auf die Barrikaden. In Ansfelden (Bez. Linz-Land) hat vor Kurzem der letzte Dorfwirt im Ortszentrum zugesperrt – eine Entwicklung, die sich quer durch des Bundesland zeigt.

Ein parteiübergreifender Dringlichkeitsantrag auf Initiative von Vize-Branchensprecher Thomas Mayr-Stockinger hat dazu geführt, dass sich der Ausschuss in der WKO Mitte Februar mit dem Thema beschäftigen wird.

"Es brennt der Hut, fast täglich sperrt irgendwo in Oberösterreich ein Wirt zu oder findet keinen Nachfolger", bringt Stockinger, der selber Wirt und Hotelier ist, die dramatische Lage auf den Punkt.

Besonders betroffen ist die klassische Wirtshauskultur abseits der touristischen Hotspots – also genau jene Betriebe, die für Stammtische, Vereinsleben und die soziale Struktur im Ort entscheidend sind.

Der wirtschaftliche Druck sei enorm. Gestiegene Kosten, Personalmangel und eine Bürokratieflut machen vielen den Garaus. Stockinger listet auf: "Darunter sind die verpflichtende Herkunftsbezeichnung, die Beleglotterie statt einer Ausnahme von der Belegerteilungspflicht, die Hitzeschutzverordnung, die Einwegverpackungsverordnung und die verpflichtende billige Speise auf der Speisekarte." An dieser Idee hat ja Branchensprecher Gerold Royda im "Heute"-Gespräch schon heftige Kritik geübt.

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Und das alles, obwohl die Politik eigentlich Bürokratieabbau versprochen habe, "als Entlastungsmaßnahme", so Stockinger weiter.

Die Statistik zeige zwar, dass die Zahl der Gastro-Betriebe gleich bleibe. Realität sei aber, dass immer mehr familiengeführte Wirtshäuser zusperren – und ersetzt werden durch "Fastfood, To Go- und Ethnofood-Betriebe".

Das sei mehr als ein struktureller Wandel, es gehe um einen kulturellen Verlust: "Damit stirbt nicht nur eine Wirtshauskultur, sondern auch eine zentrale soziale Institution und die Seele des Ortes."

Forderung nach Aktionsplan

Andere Länder seien hier schon weiter. In Deutschland wurde die Mehrwertsteuer auf Speisen gesenkt, um die Gastronomie zu entlasten. In Österreich halte sich hingegen "das Märchen, dass Wirtshäuser die Preistreiber seien". Die Wahrheit sei: "Zwar sind die Preise gestiegen, die gestiegenen Aufwände und Kosten können damit aber bestenfalls teilweise ausgeglichen werden. Wirt zu sein rechnet sich einfach nicht mehr", sagt Stockinger.

Er fordert einen Aktionsplan und eine Strategie. Ziel sei es, das Wirtshaus wieder attraktiv, wirtschaftlich und überlebensfähig zu machen – ohne auf Förderungen angewiesen zu sein. "Entwickeln wir eine Strategie für ein Dorfwirtshaus, das selbständig und ohne Förderungen überleben kann. Das Wirtshaus muss wieder Mittelpunkt des Ortes werden, statt es auf die Liste der aussterbenden Arten zu setzen."

{title && {title} } rep, {title && {title} } 19.01.2026, 03:00
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