Zahl der Notrufe steigt massiv

Hitzewellen treffen Wien weit schlimmer als gedacht

Bleibt es nachts heiß, muss die Berufsrettung deutlich öfter ausrücken. Eine neue Wiener Studie liefert erstmals konkrete und bedrückende Zahlen.
Newsdesk Heute
02.07.2026, 19:43
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Wenn die Hitze Wien fest im Griff hat, dann bekommt das auch Berufsrettung zu spüren. Eine neue Studie zeigt nun, wie stark Hitzewellen die Notfallversorgung in der Bundeshauptstadt belasten.

Dafür werteten die Forscher des Ludwig Boltzmann Institute for Digital Health and Patient Safety (LBI DHPS), der MedUni Wien, der Wiener Berufsrettung MA70, UBIMET und weiterer Einrichtungen mehr als 936.000 Rettungseinsätze aus den Jahren 2018 bis 2021 aus und verknüpften sie mit genauen Wetterdaten aus dem Stadtgebiet.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Das Ergebnis: An heißen Tagen steigt die Zahl der Einsätze deutlich, an Spitzentagen rückte die Berufsrettung mehr als 1.000 Mal aus.

Besonders entscheidend ist dabei nicht nur die Hitze am Tag. Laut Studie spielt vor allem die fehlende Abkühlung in der Nacht eine große Rolle. Sank die Temperatur an mindestens zwei Tagen hintereinander nicht unter 20,5 Grad, nahm die Zahl der Rettungseinsätze um rund 9 Prozent zu. Der Effekt verstärkte sich mit höheren Temperaturen.

Der Grund ist medizinisch nachvollziehbar: Der Körper braucht die Nacht, um sich von der Belastung des Tages zu erholen. Kühlt es nicht ausreichend ab, bleibt der Kreislauf unter Druck. Der Schlaf wird schlechter, die Körpertemperatur lässt sich schwerer regulieren, die Belastung summiert sich.

"Muster frühzeitig zu erkennen, ist entscheidend"

In Wien ist das besonders relevant. In dicht bebauten Gebieten staut sich die Wärme stärker, das Stadtzentrum war in der Analyse im Schnitt rund 2 Grad wärmer als die Außenbezirke. Besonders betroffen waren Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sowie Menschen zwischen 76 und 85 Jahren. Auch bei Frauen zeigte sich ein etwas stärkerer relativer Anstieg als bei Männern.

"Die Studie zeigt klar, dass Hitzewellen das Gesundheitssystem spürbar belasten, besonders bei vulnerablen Gruppen. Gleichzeitig sehen wir, dass diese Belastung nicht nur während der Hitze selbst, sondern auch Tage danach anhält. Solche Muster frühzeitig zu erkennen, ist entscheidend, um Rettungsdienste und Gesundheitssysteme besser auf extreme Hitze vorzubereiten und rechtzeitig zu entlasten", wird Co-Autor Oliver Kimberger im "Kurier" zitiert. Er ist Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin sowie wissenschaftlicher Leiter des LBI DHPS.

Nicht nur klassische Hitzeschäden nahmen zu. Die Studie verzeichnete auch mehr Einsätze wegen chronischer Lungenerkrankung (COPD), Bewusstlosigkeit, Ohnmacht, Krampfanfällen, Stürzen, Verletzungen und Gewaltereignissen. Hitze kann bestehende Erkrankungen verschlechtern, den Kreislauf destabilisieren und die Unfallgefahr erhöhen.

Weitere Erkenntnisse

Die erste Hitzewelle eines Sommers hatte stärkere Folgen als spätere Hitzeperioden. Die Studienautoren vermuten, dass sich Körper und Verhalten zu Saisonbeginn noch nicht an die Hitze angepasst haben.

Auch die Dauer der Hitzewelle war entscheidend. Schon am ersten Hitzetag stieg die Zahl der Rettungseinsätze um rund 6,5 Prozent. Bis zum vierten Tag legte der Effekt auf knapp 13 Prozent zu. Und selbst nach Ende der Hitzewelle blieb die Belastung noch bis zu fünf Tage erhöht.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass Hitzewellen die Notfallversorgung deutlich stärker beeinflussen als bislang angenommen", so Studienerstautor Sebastian Zeiner, Anästhesist und Intensivmediziner an der MedUni Wien und der UCSF. "Mit zunehmender Intensität und Dauer von Hitzeperioden steigt auch die Zahl der Rettungseinsätze spürbar an."

Die Ergebnisse könnten nun helfen, Hitzewarnungen und Einsatzpläne genauer auszurichten. Darauf aufbauend entstehen gerade Machine-Learning-Modelle für bessere Ressourcenplanung bei den Hilfsorganisationen. Künftig sollen neben Tageshöchstwerten auch die Abfolge warmer Nächte, die Dauer einer Hitzewelle und die Daten über besonders gefährdete Gruppen stärker einfließen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 02.07.2026, 19:43
Jetzt E-Paper lesen