Nur ganz knapp wird die Erde verfehlt: Am 13. April 2029 wird der riesige Asteroid "Apophis" mit einem Durchmesser von etwa 350 Metern so nahe an der Erde vorbeifliegen, dass mehr als 2 Milliarden Menschen in Europa und Nordafrika ihn mit bloßem Auge sehen werden können.
Dennoch bietet dieses seltene Ereignis – das erste seiner Art in der Geschichte der Menschheit – Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit eine einmalige Gelegenheit.
Um sie zu nutzen, hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen für 2029 das Internationale Jahr der Asteroidenaufklärung und Planetenverteidigung (kurz auch "Asteroids2029") ausgerufen.
Unter dem Credo "Beobachten. Erkunden. Schützen" startet eine Informationskampagne rund um Asteroiden und die potenziellen Risiken, die von ihnen ausgehen können. Dabei soll gezeigt werden, wie Länder zusammenarbeiten können, um den Planeten zu schützen – falls uns jemals ein Asteroideneinschlag bedrohen sollte.
Apophis selbst wurde zwar als potenziell gefährliches Objekt oder NEO eingestuft, das groß genug sein könnte, um im Falle eines Einschlags erheblichen Schaden anzurichten. Der nach dem altgriechischen Gott des Chaos benannte Mega-Brocken wird unseren Planeten aber – Gott sei Dank – verfehlen. Nach derzeitigen Berechnungen wird er sich der Erde bis auf 31.860 Kilometer nähern. Das ist deutlich näher als viele Satelliten.
Die Schwerkraft der Erde könnte deshalb erheblichen Einfluss auf die Oberfläche des Asteroiden ausüben. Wissenschafter hoffen, Veränderungen an Apophis beobachten und so mehr über solche potenziell gefährlichen Geschosse und ihre Abwehrmöglichkeiten erfahren zu können.
Eine solche wurde bereits 2022 getestet: Am 26. September knallte die DART-Sonde der NASA auf den Asteroiden Dimorphos, um dessen Umlaufbahn um seinen größeren Mutterasteroiden Didymos zu verändern. Dieses großangelegte Experiment war ein Erfolg. Zum ersten Mal hat die Menschheit eine messbare Veränderung an einem natürlichen Objekt im Sonnensystem hervorgerufen.
Viele Fragen sind aber noch offen: Wie sehen die genaue Masse und Struktur von Dimorphos aus? Wie hat der Einschlag den Asteroiden von der Größe der Großen Pyramide verändert? Ist ein riesiger Krater zurückgeblieben, wurde er in eine wilde Drehbewegung versetzt oder vielleicht sogar völlig umgestaltet? Diese Erkenntnisse werden dazu beitragen, die "kinetische Impaktor"-Methode der Planetenabwehr zu einer gut verstandenen Technik zu machen, die zuverlässig eingesetzt werden könnte, sollten wir sie jemals wirklich benötigen.
Deshalb ist die Hera-Mission der ESA auf dem Weg zu Dimorphos, um eine Untersuchung der Einschlagstelle aus nächster Nähe durchzuführen. Nach ihrer Ankunft im Herbst 2026 wird die Instrumentenausstattung an Bord des "Asteroidendecks" des Raumfahrzeugs eine detaillierte Vermessung vornehmen. Anschließend wird Hera zwei "CubeSats" von der Größe eines Schuhkartons ausklinken, die noch näher heranfliegen und schließlich versuchen sollen, zu landen.
Im Rahmen des Weltraumsicherheitsprogramms der ESA wird derzeit die Mission "Ramses" vorbereitet, die sich dem Asteroiden Apophis bei seinem Vorbeiflug an der Erde annähern soll.
Das Design von Ramses wird dem von Hera ähneln. Wie Hera wird auch Ramses zwei "CubeSats" an Bord haben, die vom Hauptraumfahrzeug aus ausgesetzt werden, sobald dieses den Asteroiden erreicht hat.