Astrazeneca-Verfahren

Hörsturz nach Coronaimpfung – jetzt klagt Ärztin an

Der Bundesgerichtshof entscheidet über die Klage einer Zahnärztin gegen Astrazeneca nach einem Hörsturz infolge einer Coronaimpfung.
Newsdesk Heute
08.03.2026, 17:45
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Am Montag um 11 Uhr verkündet der Bundesgerichtshof in Karlsruhe sein Urteil zu einer Klage gegen den Pharmakonzern Astrazeneca. Geklagt hat eine Zahnärztin, die 2021 drei Tage nach einer Corona-Impfung einen Hörsturz erlitten hat. Sie fordert unter anderem Auskunft über bekannte Nebenwirkungen des Impfstoffs und will mindestens 150.000 Euro Schadenersatz. Die Frau ist seither auf einem Ohr taub.

Vor dem Bundesgerichtshof geht es aber nicht direkt darum, ob die Impfung tatsächlich zu den Problemen geführt hat. Das Gericht prüft vor allem das Urteil des Oberlandesgerichts Koblenz, das die Klage der Zahnärztin abgewiesen hatte. Schon bei der Verhandlung im Dezember hat sich abgezeichnet, dass der Fall möglicherweise wieder zurück nach Koblenz geschickt wird. Jetzt wird das Urteil gesprochen.

Krebs durch Covid-Impfung?

Auch in Österreich beschäftigen weiter mögliche Nebenwirkungen der Impfung. Eine südkoreanische Studie alarmiert die FPÖ. Die parlamentarische Anfrage 4076/J hat es in sich. Unter dem Titel "Anstieg von Krebserkrankungen nach COVID-19-Impfungen" wandte sich FPÖ-Abgeordnete Marie-Christine Giuliani-Sterrer Anfang Dezember direkt an die zuständige Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ).

Die Freiheitliche verweist darin auf eine südkoreanische Kohorten-Studie (Kim et al. 2025), die einen "signifikant höheren Anstieg von Krebserkrankungen bei Geimpften im Zeitraum eines Jahres" ermittelt haben will. Die Zunahme wäre mit den von der FPÖ zitierten +53 Prozent bei Lungenkrebs und +69 Prozent bei Prostatakrebs jedenfalls enorm. Ein solcher Anstieg müsste, so es wirklich einen Zusammenhang mit einem internationalen Faktor wie einem Covid-Vakzin gibt, auch deutlich in den heimischen Diagnosedaten aufscheinen.

Daten sind öffentlich

"Die Studie legt nahe, dass COVID-19-Impfungen als 'Booster' für Krebs wirken könnten", schreibt die ehemalige ORF-Ansagerin dazu. Ihre Forderung: das Ministerium müsse die Krebserkrankungsdaten in Österreich aus den letzten Jahren öffentlich machen. Nur, das sind sie bereits – und es gibt darin keine Spur eines derart extremen Anstiegs der Krebserkrankungen seit der Corona-Pandemie.

Das Nationale Krebsregister wird schon seit einem entsprechenden Gesetz aus 1969 durch die Statistik Austria geführt. Darin wird zwar nicht – so wie die FPÖ das gerne hätte – nach Covid-Impfstatus unterschieden, doch die Daten sprechen eine eindeutige Sprache. Die aktuellsten Daten der Statistik Austria zeigen: Zwischen 2014 und 2024 ist die Zahl der jährlichen Krebsneuerkrankungen von 41.529 auf 48.360 "deutlich" angestiegen.

Folge der Alterung der Bevölkerung

Die Erklärung ist aber nicht die Covid-Impfung, die ab Ende Dezember 2020 in Österreich verfügbar wurde. Denn dann wäre auch die Inzidenz seither markant nach oben gegangen. Das individuelle, altersstandardisierte Erkrankungsrisiko blieb im selben Zeitraum mit 500,8 gegenüber 497,4 je 100.000 Personen jedoch "nahezu unverändert" (siehe Infografik oben).

Der Anstieg bei den absoluten Zahlen "ist vor allem eine Folge der Alterung der Bevölkerung. Alter ist einer der größten Risikofaktoren einer Krebserkrankung", hält die Statistik Austria fest. Dieser Faktor habe "erheblichen Einfluss" auf die Entwicklung der Krebsfälle. Dazu kommt auch noch das generelle Bevölkerungswachstum.

Der medizinischer Fortschritt bedeutet auch, dass Krebs öfter und früher entdeckt wird und die Überlebenschance steigt. Die Mortalität, also die Sterberate, ist bei Karzinomen seit Jahrzehnten im anhaltenden Sinkflug.

"Wissenschaftlich nicht haltbar"

Und die von der FPÖ zitierte Studie aus Südkorea? Die kennt man auch im Gesundheitsministerium, ist dort jedoch skeptisch über deren Aussagekraft. Schumann sieht in ihrer Antwort auf die blaue Anfrage vom 29. Jänner "beträchtliche methodische Mängel und Limitationen, insbesondere in Bezug auf die angewandten epidemiologischen Grundlagen und die biologische Plausibilität."

Schumann ist eindeutig: "Die zitierte Studie von Kim et al. (2025) kann keinen kausalen Zusammenhang zwischen Covid-19-Impfungen und erhöhten Krebsrisiken herstellen." "Ein kausaler Zusammenhang zwischen Covid-19-Impfung und Krebsentstehung innerhalb eines Jahres ist wissenschaftlich nicht haltbar und die Studie liefert keine Evidenz, die aktuelle Erkenntnisse zu Impfstoffsicherheit oder Karzinogenese infrage stellt", führt die Gesundheitsministerin weiter aus.

"Nach wie vor keine seriösen Belege"

Die von der FPÖ getätigten Rückschlüsse seien deshalb "nicht nachvollziehbar": "Bezüglich der in der Anfrage insinuierten Behauptungen über onkologische Risiken muss festgehalten werden, dass hierzu nach wie vor keine seriösen Belege vorliegen und selbst die zitierte Publikation (unabhängig vom Grad ihrer Seriosität) keinerlei Kausalität in dieser Hinsicht behauptet", so Schumann weiter.

Selbst die südkoreanischen Autoren betonen in ihrem Text, dass sie mit ihren Daten keinen kausalen Zusammenhang herstellen konnten und für eine Überprüfung weitere Studien nötig wären.

Die Gesundheitsministerin hält deshalb klar fest: Weder die Studien- noch die Datenlage weisen darauf hin, dass Covid-19 Geimpfte eine Hochrisikogruppe für Krebserkrankungen darstellen. Jegliche Empfehlungen, Kommunikationskampagnen oder Informationsweitergaben an Ärzte auf Basis der von der FPÖ zitierten Studie wären daher "irreführend und könnten die Gesundheit der österreichischen Bevölkerung gefährden".

{title && {title} } red, {title && {title} } 08.03.2026, 17:45
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