Das Team rund um die Tierärztin Nadja Affenzeller vom Klinischen Zentrum für Kleintiere der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat 23 Familienhunde gemeinsam mit ihren Besitzern zu einem Test ins Versuchslabor gebeten. Mit dabei waren Mischlinge, Labradore, Golden Retriever, Border Collies, ein Pudel, Belgischer Schäferhund, Terrier, Pointer, Greyster-Schlittenhund und Pinscher.
Die Besitzer haben ihren Hunden das Kommando gegeben, auf einer speziellen Platte ganz ruhig zu stehen. Diese Platte hat den Anpressdruck der Pfoten gemessen. Danach spielten die Forscher den Vierbeinern zwei portugiesische Worte vor – einmal freundlich, einmal wütend ausgesprochen. Die Hunde kannten diese Worte vorher nicht.
Besonders auffällig war die Reaktion bei sieben Hunden, wenn sie die wütenden Stimmen hörten: "Sie zeigten keine sichtbare Bewegung, und standen für menschliche Beobachter absolut still da", sagt Affenzeller zu den in der Fachzeitschrift "PLOS One" veröffentlichten Ergebnissen. Die feinen Messgeräte haben aber trotzdem Veränderungen festgestellt. Offenbar mussten die Hunde mit ihrer Feinmotorik mehr arbeiten, um das Gleichgewicht zu halten.
"Sowohl bei Menschen als auch bei Hunden sind die Muskeln stets aktiv, um den Körper im Gleichgewicht zu halten", erklärt die Tierärztin. Die wütenden Stimmen haben die Hunde anscheinend ein bisserl nervös gemacht, was ihnen das Stehen erschwert hat. Für das menschliche Auge war das aber nicht zu erkennen – nur die sensiblen Sensoren der Messplatte haben es gemerkt.
Auch freundliche Worte haben bei zehn Hunden dazu geführt, dass sie ein wenig an Stabilität verloren haben. "Der Effekt auf die körperliche Stabilität kommt also wahrscheinlich vor allem von der Aufregung an sich", so Affenzeller. Ob die Ursache positive oder negative Emotionen sind, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Die anderen 13 Hunde standen nach den freundlichen Worten sogar stabiler als davor. Sie waren offenbar in freudiger Erwartung und haben darauf gewartet, ob etwas Spannendes passiert. Vielleicht, weil sie von ihren Besitzern gewohnt sind, dass auf fröhliche Zurufe oft ein Spiel oder ein Leckerli folgt.