Zu viel Hoffnung im Gepäck?

Warum wir vom Reisen oft enttäuscht zurückkommen

Reisen macht Vorfreude, doch nach der Rückkehr bleibt oft Ernüchterung. Warum Urlaub selten hält, was wir uns davon erwarten.
Maria Ratzinger
25.01.2026, 22:53
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Reisen sind heute stark mit Erwartungen aufgeladen. Das ist mittlerweile auch Gegenstand der Forschung. US-Psychologe Arthur C. Brooks, der sich seit Jahren mit Zufriedenheit beschäftigt, geht der Ursache für die Unzufriedenheit nach dem Trip genauer auf den Grund.

Der Urlaub soll erholen, verändern, inspirieren – und im besten Fall das eigene Leben neu sortieren. "Je mehr wir von einer Erfahrung erwarten, desto größer ist das Risiko, dass sie uns enttäuscht", so Brooks.

Social Media verstärkt diesen Effekt massiv. Bilder zeigen nicht das Warten am Flughafen, den Streit im Hotelzimmer oder die Erschöpfung nach zehn Stunden Sightseeing. Stattdessen werden Sonnenuntergänge und perfekte Cocktails am Strand zum Vorbild für den eigenen Urlaub.

Doch so ein hoher Anspruch kann nur nach hinten losgehen. Denn die Realität sieht bekanntlich anders aus.

Mythos vom Ortswechsel

Viele Menschen glauben, dass ein Tapetenwechsel automatisch innere Probleme löst. Doch genau hier liegt der Denkfehler. "Man nimmt sich selbst immer mit", erklärt die britische Psychologin Emma Hepburn. Stress, Überforderung oder Beziehungskonflikte verschwinden nicht, nur weil man sie in einer anderen Zeitzone erlebt.

Im Gegenteil: Gerade auf Reisen fehlt oft die gewohnte Struktur. Das kann Unsicherheiten sogar verstärken – besonders bei Menschen, die im Alltag stark unter Druck stehen.

Das Danach ist der schwierigste Teil

Psychologisch besonders heikel ist die Rückkehr. Der Kontrast zwischen Freiheit und Alltag wirkt oft härter als gedacht. Studien zeigen: Nicht der Urlaub selbst macht langfristig glücklicher, sondern die Vorfreude darauf. Ist diese vorbei, fällt man emotional leicht in ein Loch.

Weniger Erwartung, mehr Wirkung

Experten raten deshalb zu einer einfachen Strategie: Erwartungen senken. Statt Highlights zu jagen, bewusst Pausen einbauen. Reisen muss nicht das Leben verändern. Manchmal genügt es, den Kopf auf andere Gedanken zu bringen.

Sich im Urlaub auch mal Zeit zum Faulenzen zu geben. ist wichtig, um die Eindrücke zu verarbeiten und aus dem Stress-Trott des Alltags herauszukommen.
Unsplash / Josh Hild

Und das kann einiges bewirken. Denn Urlaub ist kein Selbstbetrug. Im Gegenteil. Eine lange Zeitstudie der finnischen Arbeitspsychologin Jessica de Bloom von der Universität Tampere aus dem Jahr 2010 hat herausgefunden, dass Tausende Arbeitnehmer sich im Urlaub deutlich besser fühlen.
Nach der Rückkehr hält dieses Hoch zwar nur einige Tage an, verschwindet aber nicht völlig spurlos. Viele nehmen Gedanken und Vorsätze mit in den Alltag zurück.

Auch US-Studien zur Glücksforschung zeigen: Der eigentliche Effekt entsteht nicht durch Luxus oder Fernreisen, sondern durch Abstand vom Alltag. Wer aus den Routinen ausbricht, schläft anders, denkt ruhiger und hat mehr Zeit für sich. Genau das öffnet den Kopf für neue Ideen.

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