Wer aufgrund seines Körpergewichtes mehr Platz benötigte, konnte bei der US-Fluggesellschaft Southwest Airlines bisher einen zweiten Sitz ohne Aufpreis in Anspruch nehmen. Doch damit ist jetzt Schluss. Ab dem 27. Jänner 2026 müssen Passagiere, die nicht vollständig in einen einzelnen Sitz passen, einen zweiten Platz bezahlen.
Die Änderung trifft vor allem Reisende, die Southwest Airlines bislang wegen ihrer Kulanz geschätzt haben. Wer mehr Platz benötigte, konnte einen zweiten Sitz im Voraus buchen und im Nachhinein erstattet bekommen oder – je nach Verfügbarkeit – sogar kostenlos am Gate einen Extra-Sitz erhalten. Mit dem neuen Verfahren fällt diese Kulanz weitgehend weg. Passagiere müssen den zusätzlichen Platz bereits bei der Buchung erwerben. Eine Rückerstattung ist nur noch in Ausnahmefällen möglich, etwa wenn ein Flug nicht ausgebucht ist und beide Sitze in derselben Tarifklasse gekauft wurden.
Die Airline begründet die Regel mit dem Bedürfnis, Sicherheit und Komfort aller Fluggäste zu gewährleisten. Nach Angaben der Airline gilt künftig die Armlehne als klare Grenze: Wer über diese hinausragt, belegt de facto zwei Sitzplätze und muss folglich auch dafür zahlen.
Kritiker hingegen sehen in der Maßnahme eine finanzielle Belastung und eine Form von Diskriminierung. Vertreter von Passagierorganisationen warnen, die Regel könne dazu führen, dass manche Menschen sich Flugreisen schlicht nicht mehr leisten können. Befürworter argumentieren dagegen, dass es nur fair sei, für den tatsächlich genutzten Platz zu bezahlen – ähnlich wie bei Übergepäck oder anderen Zusatzleistungen.
Einheitliche internationale Vorschriften für solche Fälle gibt es bislang nicht. Während viele europäische Airlines lediglich empfehlen, bei Bedarf freiwillig einen zweiten Sitz zu buchen, verpflichten nur wenige Gesellschaften ihre Kunden dazu. Bei Austrian Airlines gibt es weder noch.
Ein Sonderfall ist Kanada: Dort gilt auf Inlandsflügen seit 2008 das Prinzip "One person, one fare" – keine zusätzlichen Gebühren, auch wenn zwei Sitze benötigt werden, um Diskriminierung zu vermeiden.