"Gefährdet Demokratie!"

Identitäre wandern in Steyr! Wirbel um Szene-Treffen

Aufregung in Steyr (OÖ): Für 15. März ist eine Damberg-Wanderung angekündigt, an der laut Kritik auch Identitäre und Corona-Leugner teilnehmen sollen.
Christoph Weichsler
13.03.2026, 13:55
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Eine Wanderung auf einem beliebten Ausflugsberg sorgt in Steyr (OÖ) für politischen Zündstoff. Für 15. März (Sonntag) ist am Damberg ein Spaziergang angekündigt, bei dem laut Hinweisen Akteure aus dem Umfeld der "Identitären Bewegung" sowie Corona-Leugner teilnehmen sollen. Statt gemütlicher Sonntagswanderung droht damit eine Veranstaltung mit brisantem politischen Hintergrund.

Der Damberg gilt als eines der bekanntesten Naherholungsgebiete der Stadt. Familien, Wanderer und Naturfreunde zieht es regelmäßig auf den Hausberg oberhalb von Steyr. Dass nun dort ein Treffen mit möglichem Bezug zur rechtsextremen Szene stattfinden soll, sorgt für heftige Kritik. Über die geplante Wanderung berichtete zuvor auch das Regionalmedium e-steyr.

Abgeordnete schlägt Alarm

Besonders deutlich äußert sich die Steyrer SPÖ-Nationalratsabgeordnete und Vizebürgermeisterin Katrin Auer. Sie zeigt sich angesichts der Hinweise auf die Veranstaltung besorgt und warnt vor einer Strategie der Szene.

"Gerade in unserer Region müssen wir genau hinschauen, wenn Gruppierungen, wie in diesem Fall die so genannten 'Identitären', über Wanderungen versuchen neue Anhänger:innen zu gewinnen. Es ist völlig inakzeptabel, wenn rechtsextreme Netzwerke versuchen, sich über scheinbar harmlose Freizeit- oder Kulturveranstaltungen zu vernetzen und neue Anhänger:innen zu gewinnen", stellt Auer klar.

Sorge wegen Corona-Szene

Die Identitäre Bewegung gilt seit Jahren als Teil der rechtsextremen Szene in Europa. Laut Beobachtern versucht die Gruppierung immer wieder, ihre Ideologie unter dem Deckmantel von Kultur-, Freizeit- oder Outdoor-Aktivitäten zu verbreiten. In Österreich steht die Bewegung seit Jahren unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Besonders kritisch sieht Auer die mögliche Vermischung mit verschwörungsideologischen Milieus rund um die Corona-Leugner-Szene.

"Wir sehen seit einigen Jahren, dass sich rechtsextreme Gruppen gezielt mit verschwörungsideologischen Szenen vernetzen. Diese Entwicklung ist demokratiepolitisch höchst alarmierend", so Auer. Sie fordert deshalb eine klare Haltung: "Demokratie verteidigt sich nicht von selbst. Es braucht eine Politik und eine Zivilgesellschaft, die hinschaut und rechtsextremen Umtrieben entschieden entgegentritt", betont die Politikerin.

Der angekündigte Spaziergang am Damberg sorgt deshalb bereits im Vorfeld für politische Aufmerksamkeit – und könnte die Debatte über rechtsextreme Aktivitäten in der Region erneut anheizen.

Steyrerinnen besorgt

Auch unter Bewohnern sorgt das Thema für Unruhe. In Steyr sind seit Jahren sogenannte "Sonntagsspaziergänge" aus der Corona-Protestszene bekannt. Für manche Bürger entsteht dadurch der Eindruck, dass solche Proteste längst zur Normalität geworden sind.

"Als Bürgerin bin ich besorgt darum, wie normal man diese Sonntagsproteste nun schon empfindet. Nur weil das schon unzählige Male stattgefunden hat, ist das nicht weniger problematisch", sagt die Steyrerin Sabine F. (35). Auch Ilse E. (44) aus Steyr findet es schade, dass bei den Demonstrationen kaum noch ein Dialog möglich sei. "Man wird sofort von Demonstranten beschimpft", sagt sie.

Pensionist Hans B. (65) aus Steyr zeigt sich ebenfalls besorgt über die Entwicklung. "Das wird wieder ein super Sonntag. Die Zeiten sind sehr kritisch. Anstatt beruhigend auf die Menschen einzuwirken, werden alle noch mehr radikalisiert und das politische Klima noch giftiger. Dank des Senders RTV wird das ganze auch noch publiziert", sagt er gegenüber "Heute".

Identitäre schon früher Thema in Steyr

Dass die Szene immer wieder mit Steyr in Verbindung gebracht wird, ist nicht neu. Bereits 2017 präsentierten Aktivisten der "Identitären Bewegung" in der Stadt ihre Mittelmeer-Aktion. Gefilmt wurde die Veranstaltung damals vom damaligen Regionalsender RTV, der heute immer wieder mit Berichten rund um Verschwörungserzählungen und Rechtsextremismus auffällt.

Die Aktion war Teil der Kampagne "Defend Europe", bei der Aktivisten versuchten, Flüchtlinge an der Überfahrt nach Europa zu hindern und die Arbeit von NGO-Rettungsschiffen zu stören. Nach Protesten in der Stadt wurde die Veranstaltung schließlich im Keller der Burschenschaft Steyr abgehalten.

{title && {title} } CW, {title && {title} } 13.03.2026, 13:55
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