Die U6-Station Gumpendorfer Straße am Mariahilfer Gürtel ist seit Jahren ein Hotspot der Wiener Drogenszene. Jüngster Vorfall: Vor kurzem wurde ein Wiener (46) in der U-Bahn-Station überfallen und verletzt. Wie berichtet, hatten zwei Männer, die der Drogenszene angehören sollen, dem 46-Jährigen am Bahnsteig Suchtgift zum Kauf angeboten. Als der Mann ablehnte, packten ihn die beiden Männer und schlugen ihn zu Boden.
Das Opfer konnte vorerst flüchten, wurde in der Stationshalle aber eingeholt und erneut zu Boden gestoßen. Die Täter entrissen dem Verletzten Geldbörse und Handy, flüchteten dann in unterschiedliche Richtungen. Kurz darauf konnte ein Verdächtiger gefasst und vom Opfer als einer der beiden Angreifer identifiziert werden. Der 26-Jährige war laut Polizei unter Drogeneinfluss und hatte in einem nahen Lokal versucht, ein Messer zu stehlen.
Neue Zahlen der Landespolizeidirektion Wien zeigen, wie dramatisch die Lage ist: Mit 15,7 Suchtmitteldelikten pro 1.000 Einwohner liegt Wien-Mariahilf an zweiter Stelle aller Wiener Bezirke. Nur in der Wiener City sind es noch mehr Delikte.
Im direkten Vergleich mit ähnlich großen Bezirken wird das Ausmaß besonders deutlich: Neubau verzeichnet 4,92 Suchtmittel-Delikte pro 1.000 Einwohner, Wien-Wieden nur 3,02. "Das Gebiet rund um die Gumpendorfer Straße und die Drogenberatungseinrichtung Jedmayer hat sich zu einem der stärksten Kriminalitätsschwerpunkte Wiens entwickelt", so Martina Hammerer, Obfrau der ÖVP-Frauen in Wien-Mariahilf und selbst Anrainerin.
Im Winter ist die Lage schlimmer als in der warmen Jahreszeit. Weil es draußen zu kalt wird, verlagern viele Suchtkranke ihren Aufenthalt in Stiegenhäuser und Kellerräume. Die Folgen für die Nachbarschaft sind gravierend, erklärt Hammerer: "Immer wieder kommt es zu Einbrüchen in Wohnhäuser, beschädigten Türen und Schlössern, eingeschlagenen Fenstern und weiteren Vandalismusschäden."
Der finanzielle Schaden ist dementsprechend groß. Allein ein Mehrparteienhaus in unmittelbarer Nähe der U6-Station Gumpendorfer Straße musste 2024 rund 15.000 Euro für Reparaturen und Reinigungen aufbringen. Maßnahmen wie UV-Lampen in Kellern, die den Spritzenkonsum unterbinden sollen, zeigen laut Anrainern kaum Wirkung.
Hammerer gehen die Maßnahmen der Stadt Wien nicht weit genug. "Die Anrainer fürchten sich nicht nur vor der Kälte des Winters, sondern vor der Untätigkeit der politisch Verantwortlichen. Bis heute gibt es keine einzige konkrete Sicherheitsmaßnahme, die die Situation für die Bewohnerinnen und Bewohner entschärfen würde. Diese Untätigkeit ist desaströs."