Spiele-Test

"Infection Free Zone" macht deine Stadt zur Hölle

Was passiert, wenn deine eigene Stadt plötzlich zum Schauplatz einer Zombie-Apokalypse wird? Genau das probiert dieses Strategiespiel aus.
Rene Findenig
17.09.2026, 17:31
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Die Idee ist so einfach wie ungewöhnlich: Du startest "Infection Free Zone", gibst einen Ort ein und machst genau diese Gegend zum Schauplatz einer Zombie-Apokalypse. Statt einer erfundenen Stadt stehen plötzlich Straßen, Gebäude und Plätze im Mittelpunkt, die du aus der Realität kennst. Spiele mit Zombies gibt es viele. Eines, bei dem ich mir meine Umgebung als Ausgangspunkt aussuchen kann, deutlich weniger. Die Macher nutzen für den Titel echte, geografische Daten von OpenStreetMap. Bis ins kleinste Detail realistisch sind die Städte zwar nicht, im groben lassen sich aber Straßenzüge und Plätze der gewählten Stadt problemlos erkennen. Und dann heißt es: In Wien sind die Zombies los.

"Infection Free Zone" ist bereits 2024 für den PC erschienen und erschien nun auf PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Inhaltlich bleibt das Grundprinzip erhalten. Du übernimmst eine Gruppe von Überlebenden, suchst einen geeigneten Ausgangspunkt und versuchst, aus verlassenen Gebäuden wieder eine funktionierende Siedlung zu machen – ein klassischer Mix aus Aufbau- und Survival-Spiel. Spannend ist der geografische Aspekt dennoch, denn damit wird jede neue Partie automatisch etwas persönlicher. Selbst wenn sich die grundlegenden Spielmechaniken wiederholen, verändert sich die Ausgangslage durch die gewählte Umgebung. Du kannst dich für deine Heimatstadt entscheiden oder irgendeinen anderen Ort auf der Welt auswählen.

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Am Tag wird geplant, in der Nacht wird es ernst

Das Spiel teilt den Ablauf zwischen Aufbau und Verteidigung auf. Während des Tages geht es darum, die eigene Zone weiterzuentwickeln, Ressourcen zu beschaffen und Überlebende auf Erkundung zu schicken. Verlassene Gebäude werden durchsucht, brauchbare Materialien eingesammelt und neue Möglichkeiten für die eigene Siedlung geschaffen. Ganz so entspannt bleibt es aber nicht, denn in der Nacht fallen die Zombies in die Zone ein. Jede Entscheidung am Tag hat Auswirkungen darauf, wie gut du die kommende Nacht überstehst. Baue ich weiter aus oder spare ich Ressourcen? Schicke ich meine Leute auf die Suche oder lasse ich sie zur Sicherheit im Gebiet? Investiere ich in die Produktion oder in die Verteidigung?

Besonders beim Umgang mit den eigenen Leuten merkt man, dass "Infection Free Zone" kein klassisches Actionspiel sein will. Die Überlebenden müssen Aufgaben übernehmen und können für Erkundungen eingesetzt werden. Gleichzeitig brauchst du sie für den Aufbau und die Verteidigung. Das führt immer wieder zu Situationen, in denen du abwägen musst. Ein Trupp, der außerhalb der Zone unterwegs ist, kann dort wichtige Ressourcen finden. Währenddessen fehlt er aber möglicherweise bei der Verteidigung. Gerade wenn sich die Nacht nähert, wird aus einer normalen Erkundung deshalb schnell eine unangenehme Entscheidung. Das Spiel verlangt hier nicht nach Fingerspitzengefühl und Übersicht.

Die Konsole ist der eigentliche Härtetest

Der Sprung von PC auf PlayStation 5 und Xbox Series X|S ist für "Infection Free Zone" nach dem Erfolg im Jahr 2024 nachvollziehbar, bringt aber ein Problem mit sich: Das Spiel wurde für eine Bedienung entwickelt, bei der du schnell auf Bereiche der Karte und auf Befehle zugreifst. Mit dem Controller funktioniert das auch. Trotzdem dauert es, bis die Bedienung in Fleisch und Blut übergeht. Beim Wechsel zwischen Karte, Menüs, Gebäuden und Einheiten ist die Steuerung weniger direkt, als ich es von Maus und Tastatur gewohnt bin. Das fällt dann auf, wenn viel passiert. Sobald mehrere Einheiten unterwegs sind, Informationen eingeblendet werden und die Verteidigung vorbereitet werden muss, kann es mit dem Controller hektisch werden.

Das ist kein Grund, das Spiel abzuschreiben. Nach der Eingewöhnung kommt man mit dem Controller zurecht. Trotzdem bleibt die Steuerung einer der Punkte, bei denen ich mir eine noch konsequentere Anpassung an die Konsole gewünscht hätte. Gerade das Mikromanagement kann auf diese Weise etwas fummelig werden. Mit Mikromanagement ist hier schlicht gemeint, dass du viele kleine Entscheidungen selbst treffen musst. Welcher Trupp geht wohin? Welche Aufgabe soll zuerst erledigt werden? Welche Gebäude sollen angepasst werden? Wo sollen Verteidigungsanlagen stehen? Auf dem PC lassen sich solche Dinge mit Maus und Tastatur naturgemäß schneller auswählen. Die Konsolenversion verlangt aber etwas mehr Geduld.

Siedlung muss nicht schön sein, aber funktionieren

Ein weiterer Punkt, der mir beim Spielen schnell aufgefallen ist: Eine schöne oder große Siedlung bringt dir nichts, wenn sie nicht funktionieren kann. Du musst vorhandene Gebäude anpassen und für unterschiedliche Zwecke verwenden. Dazu kommen Produktionsstätten, Unterkünfte, Farmen und Kraftwerke. Damit entsteht nach und nach eine kleine Stadt, die nicht nur gegen die Infizierten bestehen soll, sondern auch ihre eigenen Bedürfnisse erfüllen muss. Ressourcen spielen dabei eine zentrale Rolle. Nahrung, Baumaterialien und andere Vorräte müssen organisiert werden. Gleichzeitig muss die Verteidigung weiter ausgebaut werden. Am stärksten wird das Spiel für mich dann, wenn sich der Tag dem Ende nähert.

Tagsüber kannst du dich auf Planung und Ausbau konzentrieren. Wenn die Dunkelheit kommt, geht es allerdings rund. Die Infizierten greifen die Zone an und du musst deine Vorbereitung in die Praxis umsetzen. Mauern, Tore und Türme, auch Licht und unterschiedliche Waffen gehören zu den Möglichkeiten, mit denen du dich gegen die Angriffe wehrst. Dazu kommt der Umstand, dass die eigene Zone nicht der einzige Ort ist, an dem Menschen überlebt haben. Andere Gruppen können auftauchen. Manche sind bereit, zu handeln, andere können feindselig reagieren. Damit entsteht neben dem Kampf gegen die Infizierten eine weitere Ebene, bei der du deine Entscheidungen nicht nur auf Ressourcen und Gebäude beschränken kannst.

Du musst ständig abwägen, wie du deine Ressourcen einsetzt und welche Aufgaben deine Überlebenden übernehmen.
Jutsu Games, Ultimate Games S.A.

Es gibt keine klassische Zombie-Action

Wer bei "Infection Free Zone" ein Spiel erwartet, in dem du selbst mit einer Waffe durch die Straßen läufst und Horden abschießt, liegt falsch. Du steuerst nicht einen einzelnen Helden. Im Mittelpunkt stehen die Gruppe, die Siedlung und die strategischen Entscheidungen. Die Bedrohung ist zwar ein wichtiger Teil des Konzepts, aber sie wird aus der Perspektive eines Aufbauspiels behandelt. Du beobachtest deine Einheiten, gibst Befehle und kümmerst dich darum, dass die Verteidigung funktioniert. Auf der PlayStation 5 macht "Infection Free Zone" insgesamt einen ordentlichen Eindruck. Die Version unterstützt auch die Vibrationsfunktion des DualSense-Controllers. Grafisch liegt der Fokus auf Übersicht und Funktion.

Das Spiel muss schließlich eine größere Karte, Gebäude, Einheiten und zahlreiche Informationen gleichzeitig darstellen. Deshalb sollte man hier keinen grafischen Showcase erwarten. Die Stärke liegt nicht in spektakulären Effekten, sondern in der Verbindung aus Karte, Aufbau und Management. Die Optik bleibt jederzeit simpel, aber sie funktioniert. Die größte Schwäche bleibt für mich die Bedienung. "Infection Free Zone" ist auf Konsole spielbar, fühlt sich an einigen Stellen aber immer noch wie ein Strategiespiel an, das mit Maus und Tastatur gemacht wurde. Wenn ich schnell zwischen Einheiten wechseln oder einen bestimmten Bereich der Karte auswählen möchte, ist der Controller nicht immer die präziseste Lösung.

Fazit: Simples Strategiespiel mit besonderem Extra

"Infection Free Zone" ist kein Zombie-Spiel für schnelle Action. Es ist ein Strategie- und Aufbauspiel, das seine größte Idee aus der echten Welt holt. Die Möglichkeit, eine reale Stadt als Grundlage zu verwenden, funktioniert nicht nur als Gimmick, sondern verändert tatsächlich den Blick auf die Karte. Das Spiel überzeugt vor allem dann, wenn du gerne planst, Ressourcen verteilst und dich auf eine Situation einstellst. Die Kombination aus Tagesplanung und nächtlicher Verteidigung erzeugt einen nachvollziehbaren Spielfluss. Besonders die erste eigene Zone macht Spaß, weil du ständig neue Möglichkeiten entdeckst und deine Umgebung anders wahrnimmst.

Auf der anderen Seite verlangt "Infection Free Zone" Geduld. Die Steuerung auf der Konsole ist nicht immer bequem, das Mikromanagement kann mühsam werden und eine große Geschichte solltest du nicht erwarten. Wer schnelle Kämpfe oder eine stark erzählte Kampagne sucht, wird mit dem Konzept wahrscheinlich weniger anfangen können. Wer sich dagegen auf das langsame Aufbauen einlässt, bekommt ein Strategiespiel mit einer Idee, die tatsächlich hängen bleibt. Der Gedanke, die eigene Stadt gegen eine Infiziertenhorde verteidigen zu müssen, funktioniert überraschend gut. Und genau deshalb ist "Infection Free Zone" auch auf Konsole mehr als nur ein weiterer Zombie-Titel.

rfi,Akt. 17.09.2026, 17:36, 17.09.2026, 17:31