Ein Werbevideo in den Sozialen Medien hat für die deutsche Influencerin Alina Walbrun (28), besser bekannt als "Doc Alina", ein juristisches Nachspiel. Im Sommer hatte sie für ein angebliches medizinisches Produkt namens "Nasophon" geworben.
Das Problem: Das Produkt war frei erfunden. Auch die dazugehörige Diagnose "Postvirale nasale Hypersensibilität", kurz PVNH, existiert nicht. Hinter der Aktion steckte der deutsche YouTuber und Aufdecker Marvin Wildhage. Mit seinem Experiment wollte er herausfinden, wie genau medizinische Influencer Werbeangebote prüfen.
Das Fake-Produkt war mit mehreren Hinweisen versehen, die den Schwindel leicht durchschaubar gemacht hätten. Auf der Verpackung stand etwa groß "100 % wirkstofffrei". Das angebliche Trainingsgerät für die Nasenflügel kam aus dem 3-D-Drucker. Im Inneren steckte laut Wildhage lediglich eine gewöhnliche Tröte.
Auch eine Webseite für die erfundene Pharma-Firma baute Wildhage eigens für den Versuch. Dort trat er – per KI in eine Frau verwandelt – als angebliche Gründerin "Dr. Sofia Beatrice Geppetto" auf. In ihrem Lebenslauf standen sogar drei Jahre Erfahrung als Holzschnitzerin – eine kaum versteckte Anspielung auf Pinocchio-Schöpfer Geppetto und dessen Lügennase.
Selbst der einzige Medienbericht über "Nasophon" stammte von Wildhage und erschien ausschließlich auf dieser Seite.
Walbrun ging auf die Anfrage ein und bewarb das erfundene Produkt. Besonders brisant: In ihrem mittlerweile gelöschten Video erklärte sie sogar, die "Postvirale nasale Hypersensibilität" aus ihrem Medizinstudium zu kennen. Dabei ist auch diese Diagnose komplett erfunden.
Für die Kooperation soll Walbrun 3.800 Euro erhalten haben. Nachdem der Schwindel öffentlich geworden war, zog sie sich für mehrere Monate zurück. Inzwischen entschuldigte sie sich für den Vorfall und kündigte an, das erhaltene Honorar an Ärzte ohne Grenzen zu spenden und den Betrag zu verdoppeln.
Doch damit ist die Sache nicht vorbei. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft München II gegen die 28-Jährige. Dabei geht es allerdings nicht um die Fake-Werbung selbst, sondern um den Verdacht, dass Walbrun unbefugt die Berufsbezeichnung "Ärztin" geführt haben könnte.
Walbrun hat ihr Medizinstudium zwar abgeschlossen, verfügt Berichten zufolge aber über keine Approbation. In ihrem Podcast erklärte sie am 17. Mai dennoch: "Ja, ich bin seit Dienstag offiziell Ärztin." Gemeint war damit der 12. Mai. Auch im Schriftverkehr mit dem "Nasophon"-Hersteller nannte sie sich "Ärztin", wie in ihrer ersten Stellungnahme nach dem Vorfall sichtbar wurde.
Genau solche Aussagen sind nun Gegenstand der Ermittlungen. Der Name "Doc Alina" selbst dürfte hingegen nicht das Problem sein, da "Doc" keine geschützte Berufsbezeichnung ist. Dennoch verschwand ihr bekanntes Pseudonym nun von ihren Online-Auftritten, wo sie nun lediglich als Alina Walbrun auftritt.
Auf das unbefugte Führen der Berufsbezeichnung "Arzt" stehen in Deutschland bis zu ein Jahr Haft oder eine Geldstrafe. Walbrun ist übrigens nicht die Einzige, die Wildhage mit seinem Fake-Produkt hereinlegte.
Andere Influencer gingen ebenfalls auf das Angebot ein – sie bezeichneten sich allerdings nicht als Ärzte und behaupteten auch nicht, die erfundene Krankheit aus dem Medizinstudium zu kennen.