Sie ist wieder wach

Nach gescheiterter Hinrichtung spricht Christa Pike

Zwei Giftspritzen sollten Christa Pike töten. Sechs Tage später wachte die 50-Jährige wieder auf und begann zu sprechen.
Newsdesk Heute
07.10.2026, 21:33
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Es ist ein Fall, der selbst im US-Todesstrafensystem außergewöhnlich ist. Christa Pike sollte am 30. September im US-Bundesstaat Tennessee hingerichtet werden. Zwei Dosen des normalerweise tödlichen Mittels Pentobarbital wurden ihr verabreicht. Doch die Hinrichtung scheiterte. Die 50-Jährige überlebte und wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht.

Fast eine Woche später ist Pike nun wieder bei Bewusstsein und kann zumindest eingeschränkt sprechen. Das teilten ihre Anwälte mit. Ihr Zustand bleibt allerdings kritisch, die langfristige Prognose ist unklar. Nach Angaben ihres Anwalts Randy Spivey war zunächst sogar angenommen worden, dass Pike hirntot sei. Dann wachte sie völlig unerwartet wieder auf.

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Ihre ersten Worte sollen "Wo bin ich?" und "Wer sind Sie?" gewesen sein. Laut ihrem Anwalt war Pike beim Aufwachen "wütend und verwirrt". Sie lag mit einem Schlauch im Hals im Spital und war von Menschen umgeben, die sie nicht kannte.

Schwere gesundheitliche Folgen

Pike befindet sich weiterhin in medizinischer Behandlung. Nach Angaben ihrer Anwälte hat sie ein Blutgerinnsel in einem Arm und eine Lungenentzündung. Außerdem könne sie derzeit nicht schlucken. Beide Arme und Hände seien stark angeschwollen.

Wie schwer die langfristigen Folgen sein werden, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Ein medizinischer Experte der Verteidigung geht davon aus, dass möglicherweise erst nach Wochen oder Monaten beurteilt werden kann, wie weit sich Pike erholt. Auch ihre Fähigkeit, sich vollständig zu orientieren und zu kommunizieren, wird weiter beobachtet.

Die Anwälte betonen, dass bei Pike bislang keine kognitiven Beeinträchtigungen festgestellt worden seien. Gleichzeitig stehe ihr ein langer Genesungsweg bevor.

Nach Angaben ihres Anwalts erkundigte sich Pike nach dem Aufwachen auch nach der Familie von Colleen Slemmer. Slemmer war jene 19-Jährige, wegen deren Tötung Pike seit mehr als drei Jahrzehnten in der Todeszelle sitzt.

Am 30. September begann die Hinrichtung im Riverbend Maximum Security Institution in Nashville.
Dipti Vaidya-USA TODAY NETWORK via Imagn Images

Was bei der Hinrichtung schiefging

Am 30. September begann die Hinrichtung im Riverbend Maximum Security Institution in Nashville. Tennessee versuchte zweimal, Pike das tödliche Medikament zu verabreichen. Beide Versuche scheiterten. Nach Angaben von Medienzeugen dauerte der Vorgang mehr als zwei Stunden. Schließlich wurde Pike in ein Krankenhaus gebracht.

Warum die beiden Dosen nicht wie vorgesehen wirkten, ist noch nicht abschließend geklärt. Pikes Anwälte hatten bereits vor dem Hinrichtungsversuch auf Probleme mit ihren Venen hingewiesen. Experten vermuten unter anderem Schwierigkeiten beim Zugang zu einer Vene und bei der Verabreichung der Medikamente. Eine abschließende staatliche Untersuchung steht aber noch aus.

Der Fall gilt als bislang einmalig. Nach Angaben des Death Penalty Information Center ist Pike die erste bekannte Person in den USA, die eine vollzogene Hinrichtung durch eine tödliche Injektion überlebt hat.

Gericht lässt Beweismittel sichern

Inzwischen beschäftigt sich auch ein Gericht mit den Folgen des gescheiterten Hinrichtungsversuchs. Eine Richterin in Nashville ordnete am Mittwoch an, dass Tennessee sämtliche relevanten Beweismittel aufbewahren muss. Dazu gehören unter anderem Spritzen, Verpackungen der verwendeten Medikamente, intravenöse Leitungen und Unterlagen zur Hinrichtung.

Pikes Anwälte hatten die Sicherung verlangt, um später nachvollziehen zu können, was bei dem Versuch schiefgelaufen ist. Sie fordern außerdem weitere Informationen über das Hinrichtungsprotokoll.

Die Staatsregierung hat bereits eine unabhängige Untersuchung eingeleitet. Der frühere US-Staatsanwalt Ed Stanton soll im Auftrag des Generalstaatsanwalts von Tennessee prüfen, ob das vorgeschriebene Verfahren eingehalten wurde und welche Änderungen notwendig sein könnten.

Auch an der Spitze der Gefängnisbehörde gab es Konsequenzen. Frank Strada, der Leiter des Tennessee Department of Correction, kündigte nach dem gescheiterten Versuch seinen Rücktritt an. Gouverneur Bill Lee setzte zudem sämtliche weiteren Hinrichtungen in Tennessee bis zum Jahresende aus.

Pike wartet weiter auf ihre Zukunft

Pike war 1995 wegen der Ermordung ihrer damaligen Klassenkameradin Colleen Slemmer zum Tod verurteilt worden. Die Tat ereignete sich in Knoxville. Pike war damals 18 Jahre alt, Slemmer 19.

Ihre Verteidiger hatten vor der Hinrichtung unter anderem auf Pikes Alter zum Tatzeitpunkt und eine von ihnen geschilderte Vorgeschichte mit sexuellem Missbrauch und psychischen Problemen verwiesen. Gouverneur Bill Lee lehnte ein Gnadengesuch jedoch ab.

Nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch fordern Pikes Anwälte nun erneut, die Todesstrafe in lebenslange Haft ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung umzuwandeln.

Ob Tennessee nach einer möglichen Genesung überhaupt einen neuen Hinrichtungsversuch unternehmen könnte, ist derzeit offen. Auch Pikes langfristiger Gesundheitszustand lässt sich noch nicht abschätzen. Erst die kommenden Untersuchungen und Gerichtsentscheidungen dürften klären, wie es mit der 50-Jährigen weitergeht.

red,07.10.2026, 21:33
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