Gesundheit

Intensivmediziner: So schlimm kann es Wien noch treffen

Während in den westlichen Spitälern bereits die Triage droht, kann Wien derzeit noch aufatmen. Wie lange und warum, verrät Dr. Stephan Kettner.
Christine Scharfetter
17.11.2021, 19:21

"Die Lage ist angespannt, aber soweit in Ordnung und im Rahmen dessen, was wir in den letzten Monaten kenngelernt haben", sagt Dr. Stephan Kettner, Leiter der Intensivmedizin im Krankenhaus Hietzing. Auch freie Betten gebe es noch zur genüge. Doch das könne sich schnell ändern. 

"Wenn die Prognosen recht behalten, wird es Ende November noch einmal sehr schwierig für uns, so wie es in den westlichen Bundesländern jetzt schon ist." Doch Wien habe früh sehr sinnvolle Maßnahmen durchgeführt, um das Infektionsgeschehen zu verlangsamen. Daher rechne der Intensivmediziner damit, dass man auch dieses Mal die Prognosen, wie schon bei den letzten drei Mal, unterschreiten können wird.

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Verzweiflung und Personalmangel 

Wesentlich problematischer sei der aktuelle Personalmangel. "Unsere Impfphase war im Jänner und Februar, das heißt, wir sind jetzt in der Phase, wo die Antikörper abfallen. Deshalb werden derzeit alle Mitarbeiter zweimal in der Woche im Spital auf Covid getestet - auch die Geimpften. Und wir haben letzte Woche etliche Infektionen gefunden." Eigentlich gesunde Menschen, die aber dennoch ansteckend sein könnten und deshalb eine potentielle Gefahr für die Patientinnen und Patienten darstellen, erklärt Kettner. Diese Kollegen fallen somit aus. Ebenso wie jene Mitarbeiter, deren Kinder sich in der Schule anstecken. "Das ist sehr bitter."

„"Man muss sich einfach nur impfen lassen."“

Entsprechend sei auch die Stimmung im Team bereits gekippt. Nach einer Zeit, wo man das Gefühlt hatte, etwas tun zu können, Patienten retten zu können, komme jetzt der Punkt, "wo man desperat und die Stimmung schlecht ist." Dabei sei die Lösung so einfach und für jeden frei verfügbar: "Man muss sich einfach nur impfen lassen." 

4. Welle wäre vermeidbar gewesen

Wären alle dem nachgekommen, dann wäre es aus der Sicht des Mediziners gar nicht zu einer vierten Welle gekommen. "Ein Teil will es nicht oder hat Angst oder wie auch immer und das sorgt bei uns natürlich viel Frustration und das Gefühl der Hilflosigkeit, weil man das hätte so leicht vermeiden können."

Ungeimpft sind auch ein Großteil von Kettners Patienten: "Bei uns waren in den vergangenen Wochen alle immer umgeimpft. Überhaupt ist in Wien das Hauptklientel auf der Intensivstation nicht geimpft." Zwar geben es auch geimpfte Intensiv-Patienten, aber die seien alle mit chronischen Vorerkrankungen belastet, hätten Karzinome und leiden an Nierenversagen, wodurch der Immunstatus stark reduziert ist. Auch werden die Infizierten immer jünger, weil die Älteren eben bereits geimpft sind. "Ganz viele Patienten sind zwischen 80 und Anfang 60 geboren."

So wenden wir die 5. Welle ab

"Ich würde mir wünschen, dass sich möglichst viele Leute impfen lassen." Für jene, die sich jetzt ihre Erstimpfung abgeholt haben, sei es zwar schon zu spät für diese Welle, aber "Sie verhindern die nächste Welle, die im Jänner oder Februar auf zukommen kann." Doch wird weiterhin so eifrig geimpft, wie in der vergangenen Woche, in der alleine am Freitag ein Prozent der Bevölkerung eine Schutzimpfung gegen das Coronavirus erhalten hat, "dann gibt es keine nächste Welle."

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