Die Klimakrise ist in Österreich längst kein abstraktes Zukunftsthema mehr. In einem auf Facebook veröffentlichten Gespräch spricht Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit BOKU-Meteorologe Herbert Formayer über extreme Hitze, ausgetrocknete Böden und die Frage, wie sich das Land an ein verändertes Klima anpassen muss.
Schon zu Beginn wird deutlich, wie sichtbar die Folgen der Hitze geworden sind. Formayer zeigt auf das vertrocknete Gras: "Da ist das trockene Gras, das da steht." Van der Bellen reagiert knapp: "Da steht nichts mehr".
Der Meteorologe beschreibt, wie stark sich der Boden bereits aufheizen kann. "Wenn Sie es angreifen, merken Sie es - das hat über 50 Grad, teilweise bis zu 60 Grad", sagt Formayer. Früher sei es im Juli und August in Niederösterreich zwar ebenfalls braun geworden, "aber hauptsächlich die Getreidefelder". Jetzt aber sei "wirklich alles, alles abgestorben".
Auch Schatten ist an diesem Ort offenbar keine Entlastung. Van der Bellen fragt: "Schatten..? Wo ist der Schatten?" Formayer antwortet: "Es gibt keinen Schatten." Die heißesten Temperaturen seien in Stammersdorf gemessen worden, weil der Boden nicht mehr transpiriere und dadurch noch heißer werde.
Im Gespräch geht es auch um die Geschwindigkeit der Entwicklung. Van der Bellen erinnert an die IPCC-Berichte und fragt, ob diese im Wesentlichen korrekt gewesen seien - mit Ausnahme des Tempos. Formayer ordnet ein: "Global ist es gar nicht so weit weg. Aber Europa reagiert viel rascher [auf den Klimawandel] als man gedacht hat."
Für Europa sei das, was derzeit beobachtet werde, "sicher eine ganz extreme Entwicklung", so der BOKU-Meteorologe. Besonders die Hitze werde Österreich weiter beschäftigen. Auf Van der Bellens Frage, was im Jahr 2050 sein werde, sagt Formayer: "Da müssen wir uns vorbereiten und da ist sicher Hitze eines der zentralen Themen."
Besonders stark betroffen sieht Formayer die Landwirtschaft. Dort werde man "massiv umstellen müssen". Wo Bewässerung nicht möglich sei, könne künftig stärker auf Wintergetreide gesetzt werden. In trockenen Regionen werde im Herbst gesät, die Winterfeuchte genutzt und bereits im Juni geerntet.
Formayer verweist in dem Gespräch auch auf eine aktuelle Meldung, wonach mit 14 Prozent weniger Getreideernte gerechnet werde. Als zentrale Aufgabe nennt er ein gemeinsames Verständnis für die Ursachen der Klimakrise: "Das Wichtigste bei der Klimakrise ist, dass die Menschen verstehen, dass das ein globales Problem ist."
Sein Fazit fällt deutlich aus: Es brauche eine globale Lösung und das Bewusstsein, "dass der Treibhausgasausstoß Schaden verursacht". Daran müsse gearbeitet werden.