Die Piste bei den Weltcup-Bewerben am Semmering sorgte für Unmut bei den Athletinnen – allen voran bei Skistar Mikaela Shiffrin. Auch die Herren waren mit den Pistenverhältnissen in Livigno und Alta Badia unzufrieden. Die FIS versuchte, die Gemüter zu beruhigen, doch die Diskussionen über die neue Pistenpräparierung lassen die Emotionen weiter hochkochen – nun schießen die Schweizer gegen den FIS-Kurs.
"Ich bin kein Fan von diesem Trend. Das ist unfair gegenüber vielen Athleten und unfair gegenüber guten Skifahrern", sagt Thomas Tumler vor dem Riesentorlauf am Chuenisbärgli (am Samstag ab 10.30 Uhr). Mit solchen Pisten sei es mehr eine "Lotterie" als ein echter Wettkampf, bei dem der beste Fahrer gewinnt, meint der 36-jährige Bündner. Zur Erinnerung: Der Skiverband bewässert die Pisten seit der Saison weniger als noch in den Jahren zuvor.
"Das ist nicht Weltcup-Niveau, was wir diese Saison oft gefahren sind", kritisiert Tumler. Besonders schlimm sei es in Alta Badia gewesen. "Wenn zweimal die Startnummer 1 klare Laufbestzeit macht, mit über acht Zehntel Vorsprung – das hat es sonst noch nie gegeben", so der Schweizer Routinier.
"Die wollten sicher etwas in Sachen Sicherheit machen, aber in meinen Augen war das ein Schritt zurück", meint Tumler zur Motivation der FIS, die Pisten weniger zu bewässern. Immerhin habe zuletzt in Madonna di Campiglio die Piste einen guten Eindruck gemacht. Tumler: "Das stimmt mich positiv für die Zukunft".
Marco Odermatt lässt die Debatte eher kalt. Allerdings widerspricht er FIS-Aussage, dass der Verband die Fahrer im Vorfeld über die Pistenpläne informiert hätte. "Im Vorhinein wurde nichts kommuniziert", betont der Nidwaldner. "Hier in Adelboden habe ich aber gehört, dass sie alles so gemacht haben wie die letzten Jahre. Da wurde nichts groß geändert."
Die unveränderten Bedingungen am Chuenisbärgli dürften dem Gesamtweltcupsieger in die Karten spielen – schließlich hat er die letzten vier Ausgaben des legendären Riesentorlaufs gewonnen. Im Vorjahr gab's gemeinsam mit Teamkollegen Loïc Meillard sogar einen Schweizer Doppelsieg.
Meillard sieht die Pisten-Debatte gelassen. "Am Ende ist es eine Weltcup-Piste, auf der alle fahren müssen", sagt der Westschweizer. Wichtig sei vor allem, dass die Strecke gleichmäßig ist. "Wenn aber einer mit Startnummer 60 vorne reinfährt, heißt das, die Piste ist gut. Am Schluss sind wir die besten Fahrer der Welt und müssen uns anpassen", findet Meillard.