Der Strand Punta Molentis bei Villasimìus zählt zu den schönsten Badeplätzen Sardiniens. Türkises Wasser, heller Sand, dazu die Lage auf einer Halbinsel zwischen zwei Hügeln: Für viele Urlauber ist der Spot ein echtes Postkartenmotiv. Doch genau diese Schönheit ist längst zum Problem geworden.
Weil der Strand für den täglichen Andrang viel zu klein ist, regelt die Gemeinde den Zugang schon länger streng. Maximal 600 Besucher dürfen pro Tag an den Strand. Wer hineinwill, muss sich vorab online anmelden und 10 Euro zahlen.
Nun zieht die Gemeinde die Regeln noch einmal deutlich an. Punta Molentis war seit Juli des Vorjahres geschlossen, nachdem ein verheerender Brand ausgebrochen war. Laut Guardian wurde das Feuer von Brandstiftern gelegt. Die Flammen sorgten damals für dramatische Szenen: Die einzige Zufahrtsstrasse wurde abgeschnitten, mehrere Autos brannten aus.
102 Menschen, darunter 12 Kinder, mussten laut früheren Berichten per Boot gerettet werden. Wie durch ein Wunder wurde niemand getötet.
Jetzt darf der Strand wieder öffnen - allerdings mit einem Aufreger-Verbot. Sonnenschirme sind für alle Personen zwischen 10 und 65 Jahren grundsätzlich tabu. Erlaubt sind sie nur für Familien mit Kindern unter 10 Jahren sowie für Badegäste ab 65 Jahren.
Auch Pavillons, Zelte und andere Schattenspender sind verboten. Pro Familie ist nur ein einziger Sonnenschirm erlaubt - egal, wie viele Kinder dabei sind. Die neuen Regeln gelten bis Ende Oktober.
Die Gemeinde Villasimìus begründet den Schritt mit dem Schutz des empfindlichen Gebiets. Punta Molentis liegt in einer ausgewiesenen Schutzzone. Neben dem Brand hätten auch aussergewöhnliche Meereswetter-Ereignisse gezeigt, wie stark der Strand unter Druck steht.
Man müsse den menschlichen Einfluss begrenzen und dieses Naturerbe für künftige Generationen schützen, heisst es sinngemäss in der Mitteilung der Gemeinde.
Bei vielen Badegästen kommt die neue Regel gar nicht gut an. Im Netz wird gespottet, diskutiert – und zum Boykott aufgerufen. Ein Nutzer fragte laut "Guardian": "Muss ich mir ein Kind ausleihen, um einen Schirm aufstellen zu dürfen?" Ein anderer scherzte: "Also muss ich entweder meinen Opa mitbringen oder bis morgen ein Kind bekommen?".
Andere sehen das Verbot weniger lustig. Sie warnen vor Sonnenbrand, Hitzschlag und einem höheren Hautkrebs-Risiko, wenn Besucher stundenlang ohne Schatten am Strand liegen müssen. Manche kündigten bereits an, lieber an einen anderen Strand zu fahren, wo sie sich sicher vor der Sonne schützen können.
Der Streit passt zu einer grösseren Debatte in Italien. Öffentliche Strände sind vielerorts überfüllt, auch weil private Strandbäder immer teurer werden. Viele Italiener weichen deshalb auf freie Strände aus. In Jesolo nahe Venedig wurden zuletzt sogar 20.000 Liegen- und Schirmplätze gestrichen, um mehr Abstand zwischen den Badegästen zu schaffen.
Für Punta Molentis könnte der Boykott mancher Kritiker am Ende sogar genau das bringen, was die Gemeinde will: weniger Andrang am Traumstrand.