Nach der verheerenden Brandkatastrophe in einer Bar in Crans-Montana mit 41 Todesopfern geraten die Betreiber zunehmend unter Druck. Neue Whatsapp-Nachrichten sollen darauf hindeuten, dass sich die Besitzerin Jessica Moretti der Risiken von Sprühkerzen bewusst gewesen sein könnte, die laut Ermittlungen das Feuer in der Silvesternacht ausgelöst hatten.
Wie die italienische Zeitung "La Repubblica" berichtet, spielte die Walliser Staatsanwaltschaft Moretti bei einem Verhör vergangene Woche eine Sprachnachricht vom 6. Dezember 2025 vor. Darin sagte sie zu ihren Mitarbeitern: "Was die Sprühkerzen angeht, habe ich 900 bestellt. Aber wir müssen sie in Frankreich abholen, da sie explosiv sind und nicht in die Schweiz geliefert werden."
Mit der Nachricht konfrontiert, erklärte Moretti, sie könne sich daran nicht erinnern. "Wenn ich ,explosiv‘ sage, meine ich Sprühkerzen." Zwar habe sie die Kerzen bestellt, an eine Abholung in Frankreich könne sie sich jedoch "zumindest nicht im Dezember" erinnern.
Laut ihren Angaben wäre für die Abholung normalerweise ihr Ehemann Jacques Moretti zuständig gewesen. Dieser bestritt ebenfalls, die Ware in Frankreich geholt zu haben. "Da bin ich mir zu 99 Prozent sicher." Zudem habe das Problem bei der Lieferfirma gelegen und nicht daran, dass die Kerzen nicht erhältlich gewesen seien.
Bei den Ermittlungen tauchte noch eine weitere Whatsapp-Nachricht auf. Bereits 2019 hatte Jessica Moretti ihr Personal vor den Sprühkerzen gewarnt. "Wenn sie Sprühkerzen wollen, passt gut auf, bleibt dabei, bis die Kerze erlischt. Denn wenn sie auf das Sofa oder auf den Boden fällt oder wenn sie zu hoch gehalten werden und den Schaum verbrennen, brennt das Constellation", soll sie damals geschrieben haben.
Vor den Ermittlern erklärte Moretti nun, die Nachricht sei "mit einem Augenzwinkern" verfasst worden. "Das ist auf gar keinen Fall wörtlich zu nehmen", zitierte RTS die Betreiberin. Die Mitarbeiter seien lediglich angewiesen worden, die Kerzen einzusammeln, da diese Möbel beschädigen könnten. Laut Verhörprotokoll sagte sie außerdem: "Aber man kann unmöglich wissen, dass eine Gefahr besteht."
Brisant ist dabei ein weiterer Umstand: Im Clubraum des "Constellation" war Schaumstoff an der Decke angebracht, ein leicht entflammbares Material. Laut der Zeitung "Corriere della Sera" soll dieser bereits 2024 einmal Feuer gefangen haben. Demnach hätten Mitarbeiter und Gäste den Brand damals gelöscht und anschließend weitergefeiert.
Auch die Fluchtwege stehen im Fokus der Ermittlungen. Während des Brandes in der Silvesternacht konnten viele Gäste das Gebäude nicht rechtzeitig verlassen. Der Notausgang soll durch einen Barhocker blockiert gewesen sein, sodass zahlreichen Menschen nur eine schmale Treppe als Fluchtweg blieb.
Auch dazu wurden den Betreibern alte Whatsapp-Nachrichten vorgelegt. So fragte Jacques Moretti 2021 in einem Chat, ob die Notausgangstür "noch verschlossen ist"? Ein Mitarbeiter bestätigte dies. Beim Verhör erklärte Moretti später: "Wenn ich ,blockiert‘ sage, meine ich ,geschlossen‘." Die Tür könne von innen gar nicht versperrt werden, da es sich um eine zertifizierte Notausgangstür handle. Jessica Moretti ergänzte: "Die Vorstellung, ich hätte den Befehl gegeben, sie zu schließen, um Leute daran zu hindern, ohne zu bezahlen zu gehen, ist absurd."
Jacques Moretti sieht die Verantwortung für die Tragödie nach eigenen Angaben nicht bei sich. "Da wir alle Vorschriften erfüllt haben, die Nutzung dieser Sprühfontänen genehmigt wurde und die Feuerwehr ihre Kontrolle durchgeführt hat, sehen wir kein Problem darin, diese Aktivität durchzuführen – abgesehen davon, dass dabei das Inventar beschädigt werden könnte", zitierte RTS aus dem Verhörprotokoll.
Fest steht jedoch laut den Ermittlungen auch, dass die Brandschutzmaßnahmen in der Bar entgegen den Vorschriften seit 2019 nicht mehr überprüft worden waren.