Der phänologische Frühsommer hat längst Einzug gehalten. Während der Schwarze Holunder seine weißen Blütendolden entfaltet, verströmen Hundsrose und viele andere Wildblumen ihren Duft entlang von Wegen und Hecken. Die Natur zeigt sich nun von ihrer üppigsten Seite – und lockt damit auch zahlreiche Schmetterlinge an, die diese blütenreiche Zeit für ihre Hauptflugzeit nutzen.
Zu den typischen Frühsommerarten zählt der Kleine Schillerfalter (Apatura ilia). Diese Charakterart der Weichholz-Auen und lichten Laubwäldern ist bekannt für seinen blau-violetten Schillereffekt auf der Flügeloberseite, der dadurch entsteht, dass viele der dort sitzenden Schuppen speziell strukturiert und hohl sind, dadurch das Licht in besonderer Weise brechen und so besonders bunt schillern. Während sich die Raupen des Kleinen Schillerfalters hauptsächlich an Pappeln und Weiden entwickeln, ernähren sich die erwachsenen Tiere zum einen von Baumsäften, zum anderen von stark riechenden überreifen Früchten, jedoch auch von Aas oder Kot. Letzteren naschen die Tagfalter, um ihren Mineralstoffbedarf zu decken.
Auch das Schachbrett (Melanargia galathea) ist eine typische Frühsommerart. Seine Bestände sind stark vom Vorkommen extensiver Wiesenlandschaften abhängig. Mit seiner kontrastreichen schwarz-weißen Flügelzeichnung ist das Schachbrett unverkennbar und bis in den August hinein beobachtbar.
Schmetterlinge knipsen & an neuer Roter Liste mitwirken:
Einfach Handy oder Kamera schnappen, Bilder von Schmetterlingen in möglichst vielen verschiedenen "Posen" machen und diese auf www.naturbeobachtung.at oder der gleichnamigen App hochladen.
Die Daten werden von Experten ausgewertet und gemeinsam mit dem Umweltbundesamt für eine topaktuelle neue "Rote Liste der Tagfalter Österreichs" aufbereitet. Jedes geteilte Bild zählt!
Für einige Schmetterlingsarten markiert der Frühsommer auch das Ende der Hauptflugzeit und infolgedessen das Ende ihres kurzen Lebens: So beenden etwa die Frühlings-Perlmuttfalter (Boloria euphrosyne) – eine typische Frühlingsart – im Juni ihre Flugzeit. Auch Aurorafalter (Anthocharis cardamines) sind ab dem Frühsommer seltener zu sehen.
Etwas besonders Spannendes geschieht mit den Landkärtchen (Araschnia levana - im Titelbild) und tritt in Form des sogenannten "saisonalen Dimorphismus" zutage: Dieser beschreibt den Umstand, dass adulte Landkärtchen je nach Saison anders aussehen. Die Raupen des gefährdeten Falters ernähren sich ausschließlich von Blättern der großen Brennnessel (Urtica dioica) und wachsen in zwei separaten, zeitversetzten Generationen heran: In der Frühjahrsgeneration sind die besonders früh fliegenden adulten Falter in helles orange gefärbt. Im Frühsommer stirbt diese Frühjahrsgeneration und es entwickeln sich die ersten Adulttiere der Sommergeneration. Diese sind deutlich dunkler gefärbt und weiß ausgebildete Bänder schmücken ihre Flügel.