Fast jede dritte junge Frau mit Geburtsland Türkei ist in Österreich weder in Ausbildung noch beschäftigt. Das zeigt eine neue Untersuchung zur Lebenssituation von migrantischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Die Studie wurde vom Institut für Höhere Studien (IHS) im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) erstellt. Untersucht wurden sogenannte NEETs im Alter von 15 bis 24 Jahren. Damit sind junge Menschen gemeint, die weder in schulischer oder beruflicher Ausbildung noch in Beschäftigung oder einer Qualifizierungsmaßnahme sind.
Besonders deutlich fällt der Unterschied zwischen Frauen und Männern mit Geburtsland Türkei aus. Bei den jungen Frauen beträgt der NEET-Anteil laut den ausgewerteten Daten für 2022 genau 33,2 Prozent. Bei den Männern sind es 21,5 Prozent.
Insgesamt liegt der Anteil bei Personen mit Geburtsland Türkei bei 27,2 Prozent. Die Studienautoren bezeichnen junge türkische Frauen aufgrund des hohen Anteils als eine zentrale Zielgruppe für Maßnahmen zur Integration von NEETs.
Zum Vergleich: Bei in Österreich Geborenen liegt der Anteil ohne Job oder Ausbildung bei Männern bei 8,9 Prozent und bei Frauen bei 9,3 Prozent. Insgesamt sind es 9,1 Prozent.
Für die Untersuchung wurden neben den statistischen Auswertungen auch Interviews mit Experten und betroffenen Jugendlichen geführt. Dabei zeigt sich ein komplexes Bild.
Bei jungen Frauen mit türkischem Hintergrund führt die Studie die höheren Anteile von Personen, die weder eine schulische oder berufliche Ausbildung noch eine Beschäftigung haben, auf ein "Zusammenspiel von traditionellen Rollenbildern, familiären Erwartungen und fehlenden institutionellen Unterstützungsangeboten" zurück.
Die Autoren betonen allerdings, dass solche Zusammenhänge nicht pauschal kulturell erklärt werden können. Auch die soziale Lage, der Zugang zu Bildung und die vorhandenen Möglichkeiten spielen demnach eine wichtige Rolle.
Generell zeigt die Untersuchung einen deutlichen Unterschied zwischen den Generationen. Bei 15- bis 24-Jährigen ohne Migrationshintergrund liegt der NEET-Anteil bei 8,7 Prozent.
Bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund in zweiter Generation beträgt er 13,3 Prozent. Deutlich höher ist der Wert bei der ersten Generation: Hier sind 27,3 Prozent weder in Ausbildung noch in Beschäftigung.
Die Studie kommt zugleich zu dem Ergebnis, dass Migration alleine nicht als einheitlicher oder alleiniger Risikofaktor für Bildungsabbrüche oder eine fehlende Integration in den Arbeitsmarkt betrachtet werden kann. Entscheidend seien unter anderem Migrationsgeneration, soziale Lage und die jeweiligen Rahmenbedingungen.