Eine Woche nach dem spektakulären Diebstahl eines Helikopters vom Flugplatz Mauterndorf ist die Maschine weiterhin verschwunden. Ex-Skisprung-Star Thomas Morgenstern, der den Hubschrauber chartert, schildert nun, wie er von dem Coup erfahren hat und warum er zunächst an einen Scherz glaubte.
In der Nacht von Sonntag auf Montag bekam Morgenstern zwei Anrufe von Kollegen vom Flugplatz. Er hob nicht ab. Erst am nächsten Morgen sah er Nachrichten, wonach der Robinson R44 gestohlen worden sei.
Zunächst konnte der Ex-Olympiasieger kaum glauben, dass der Hubschrauber tatsächlich verschwunden war.
"Ich habe den ganzen Vormittag gedacht, ich bin bei 'Verstehen Sie Spaß' mit versteckter Kamera. Ich bin dann zum Flugplatz und habe geschaut, ob da irgendwo versteckte Kameras sind. Als das Landeskriminalamt da war und Spuren genommen hat, dachte ich: Das ist echt. Verdammt, der Hubschrauber ist wirklich weg", erklärt Morgenstern gegenüber dem "Stern".
Am Hangar waren laut Morgenstern Einbruchsspuren zu sehen. Ansonsten hätten die Täter auffallend ordentlich gearbeitet. Sogar der verwendete Rangierwagen sei wieder zurückgestellt worden. Einen ausgebauten Notsensor habe man auf dem Tresen gefunden.
Nach Morgensterns Schilderung wurde der Transponder ausgeschaltet und das Ortungssystem entfernt. Anschließend sei der Hubschrauber ins Freie gebracht worden.
Auch die Tankstelle wurde laut Morgenstern aufgebrochen. Dabei sollen 365 Liter Treibstoff verschwunden sein. Da in den Hubschrauber lediglich 170 Liter passen und dessen Tank nicht völlig leer gewesen sei, vermutet Morgenstern zusätzliche Behälter.
Wer hinter dem Diebstahl steckt, weiß er nicht. Für ihn deutet die Vorgehensweise jedoch auf eine intensive Vorbereitung hin.
"Ich hab gar keine Vermutungen. Wenn jemand so einen Coup landet, dann hat er sich intensiv darauf vorbereitet. Wir wissen auch nicht, ob ein oder zwei Piloten an Bord waren. Aber auf jeden Fall waren es professionelle Piloten mit großem technischen Wissen", sagt der ehemalige Skispringer gegenüber dem Wochenmagazin.
Der Helikopter soll gegen 1.50 Uhr gestartet und Richtung Südosten geflogen sein. Laut Morgenstern herrschten in dieser Nacht günstige Sichtbedingungen. Der Betriebsleiter des Flugplatzes habe vor Ort übernachtet und sei durch Geräusche aufgewacht. Bis er nachsehen konnte, sei der Hubschrauber bereits weggeflogen.
Morgenstern beschäftigt vor allem die Frage, wie ein gestohlenes Luftfahrzeug überhaupt davonfliegen konnte. "Ich stelle mir aus Pilotensicht schon die Frage: Wie ist das möglich? Wie kann man ein Luftfahrzeug stehlen, ohne dass jemand eingreift?", wird Morgenstern im "Stern" zitiert.
Gleichzeitig will er niemandem die Verantwortung zuschieben: "Stimmt auch. Wenn wir als Piloten die kleinste Luftraumverletzung begehen, haben wir schon ein Problem. Und da kann jemand ein Luftfahrzeug entwenden und quer durch die Nacht durch Europa fliegen. Aber das ist jetzt Gegenstand der Ermittlungen, ich will niemandem die Schuld zuweisen."
Wo sich die Maschine befindet, weiß Morgenstern nicht. Berichte über ein letztes Ortungssignal aus Kroatien kann er nicht bestätigen.
"Das letzte Ortungssignal ist nicht öffentlich bestätigt. Wir wissen nicht, wo der Hubschrauber ist. Ob er durch ganz Europa geflogen ist oder sogar näher steht, als wir glauben. Ich weiß da leider auch nicht mehr als alle anderen", sagt Morgenstern gegenüber dem "Stern".
Der dunkelblaue Hubschrauber trug einen gelben Breitling-Schriftzug. Morgenstern bezweifelt allerdings, dass die Maschine noch genauso aussieht.
"Wahrscheinlich steht er in irgendeiner Scheune oder einem Hangar im Niemandsland. Ich bezweifle, dass Lackierung und Folie noch drauf sind. Ob der noch zurückkommt? Ich weiß nicht. Die Hoffnung stirbt zuletzt", vermutet der 39-Jährige im Gespräch mit dem Wochenmagazin.
Für den früheren Skispringer steht trotz des Diebstahls fest, dass er seine Leidenschaft nicht aufgeben wird. Er möchte seine Flüge fortsetzen und womöglich einen Ersatzhubschrauber finden.
Morgenstern im "Stern": "Wir werden uns nicht unterkriegen lassen von solchen Menschen. Ich will weitermachen mit den Flügen, vielleicht einen Ersatzheli finden. Ich habe eine riesengroße Leidenschaft für die Fliegerei, aufgeben ist keine Option. Das habe ich im Sport gelernt. Ich hatte viele große Erfolge, aber trotzdem viel mehr Niederlagen. Jetzt heißt es: Fokus behalten und an die Vision glauben."
Seinen letzten Flug mit dem Robinson absolvierte Morgenstern am Samstag vor dem Diebstahl. Bei strahlend blauem Himmel flog er mit einer Familie 35 Minuten rund um die Berge bei Spittal an der Drau.
Für Morgenstern zählt jetzt vor allem die Suche nach dem verschwundenen Hubschrauber: "Ich will denen (Anm. den Entführern) gar nichts sagen. Ich will nur so lange die Augen offenhalten und so lange suchen, bis wir sie finden."