Der Zucker-, Stärke- und Fruchtkonzern Agrana hat ein strenges Sparprogramm präsentiert. Bis zum Geschäftsjahr 2027/28 sollen im Zucker- und Stärkebereich 400 bis 500 Stellen wegfallen. "Ein Großteil" des Abbaus werde Österreich betreffen, kündigte Agrana-Chef Markus Büttner laut APA an. Umgesetzt werden soll der Stellenabbau durch Nicht-Nachbesetzungen, einvernehmliche Lösungen und Kündigungen. Der Jobabbau tue "sehr weh", so Büttner.
Niedrigere Preise für Zucker, Stärke und Ethanol sowie höhere Kosten setzen dem Konzern stark zu. Im vergangenen Geschäftsjahr fuhr Agrana im Zuckergeschäft ein negatives Betriebsergebnis (ein sogenanntes EBIT) von 91,1 Mio. Euro ein. Die Produktion in Leopoldsdorf (Bezirk Gänserndorf, NÖ) und Hrušovany (Tschechien) wurde im März gestoppt, 270 Jobs fielen schon dadurch weg.
Der Konzern will bis 2027/28 insgesamt bis zu 100 Mio. Euro pro Jahr einsparen. Neben Effizienzsteigerungen liegt der Fokus auf Personalkosten. Die Zuckerfabrik Tulln bleibt erhalten. "Ich gehe davon aus, dass wir das schaffen", betonte Büttner. Der Standort ist die letzte verbliebene Zuckerfabrik in Österreich.
Zukunft sieht Agrana im wachsenden Bereich der Fruchtzubereitungen und Fruchtsäfte. Bereits mehr als die Hälfte des Umsatzes entfällt auf Lebensmittel- und Getränkelösungen. Der profitable Bereich wurde in "Food & Beverage Solutions" umbenannt. Zuletzt hatte Agrana unter anderem den slowenischen Sirup-Hersteller Mercator-Emba und den Fruchtsaftriesen Austria Juice übernommen.
Als Obmann des Fachverbands der Nahrungs- und Genussmittelindustrie kritisiert Büttner die Diskussion um hohe Lebensmittelpreise. Man müsse die Ursachen benennen, statt mit Schlagworten zu hantieren. Höchste Löhne und billigste Preise gleichzeitig zu verlangen, sei unrealistisch.