Gewalt, Raub, Einbrüche

Jugendbanden machen Wien unsicher – Maßnahmen gefordert

Wien hat mit Jugendkriminalität zu kämpfen. Ein Experte fordert mehr Prävention. Laut einer Anwältin würden die Probleme oft im Netz beginnen.
Newsdesk Heute
19.09.2026, 21:37
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Insgesamt 75.724 junge/jugendliche Tatverdächtige konnten in Österreich 2025 von der Polizei ausgeforscht werden – eine Steigerung von 2,3 Prozent zum Vorjahr. Meist wurden ihnen Diebstähle, Körperverletzungen und Einbrüche zur Last gelegt, heißt es in der Kriminalstatistik.

Besonders brisant wurde es bei der Gruppe der zehn- bis unter 14-Jährigen. Hier wurden 13.179 Tatverdächtige identifiziert – ein Anstieg um 32,3 Prozent zu 2024. Hier lag der Anteil der Verdächtigen ohne österreichischen Pass (51,3 Prozent) erstmals im Zehnjahresvergleich über jenem der Einheimischen (48,7 Prozent). Besorgniserregend ist auch, dass 1.119 Tatverdächtige im Vorjahr unter zehn Jahre alt waren. Den größten Anteil machte jedoch die Gruppe der 14- bis 18-Jährigen aus (34.769 Verdächtige).

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Karner: "Null Toleranz"

Besonders in Wien macht sich das Problem der Jugendkriminalität sichtbar. So kam es im November 2025 zu einem Vorfall im Wasserpark in Floridsdorf bei dem 30 junge Syrer mit Messern, einer Schreckschusspistole, einem Baseballschläger, Schlagringen und Pfefferspray auf drei Landleute losgingen da ihr Anführer in seiner Ehre gekränkt worden sei.

Aber auch "Nobelbezirke" haben mit Jugendbanden zu kämpfen. So kam es zu einer Schwerpunktaktion am Bahnhof Heiligenstadt. Wie bereits berichtet, wurden zuletzt 12 syrische, afghanische und österreichische Jugendliche im Alter zwischen 13 und 17 Jahren ausgeforscht und angezeigt. Ihnen wurden insgesamt 20 Raubdelikte, gefährliche Drohungen, Körperverletzungen und Verstöße gegen das Waffengesetz, hauptsächlich im Nahbereich von Schulen und im Bereich des Bahnhofs, nachgewiesen. Einige von ihnen mussten auch Haftstrafen verbüßen.

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) kündigte an, dass die Polizei den Kontrolldruck, wenn erforderlich, noch weiter erhöhen werde und konsequent einschreite. Laut dem Ressortchef gebe es "Null Toleranz".

Ruf nach mehr Prävention

Oft ist aber das Problem, das die jungen Tatverdächtigen strafunmündig sind. So auch bei einer Einbruchserie an der Währinger Straße. Ziel waren dabei 20 Geschäfte in nur wenigen Wochen – "Heute" berichtete. So wurden bei einem Einbruch in ein dortiges Café zwei Syrer im Alter von 12 und 13 Jahren ausgeforscht.

In der Bundeshauptstadt versucht man der Lage beispielsweise mit betreuten Einrichtungen Herr zu werden. So wurden zuletzt zwei junge Täter einige Wochen in einer WG angehalten und betreut. Seitens des Bewährungshilfevereins Neustart verzeichnete man 2025 4.750 Personen, die sich einer Bewährungshilfe für Jugendliche oder junge Erwachsene unterzogen haben, berichtet die "Presse".

Laut einem Sprecher hätten viele Betroffene Gewalt als Problemlösung von ihrem Umfeld vorgelebt bekommen. Auch fehlende Tagesstruktur, Ausbildung und Beschäftigung seien Gründe, warum Jugendliche in die Kriminalität abrutschen würden. Bei Personen mit Migrationshintergrund sei Ausgrenzung ein Faktor.

Dem Verein zufolge brauche es mehr Prävention. Bei Maßnahmen wie Investitionen im Bildungsbereich, Ausbau der Schulsozialarbeit, Unterstützungsangebote für Eltern, Ausbau der Jugendarbeit sowie beim Verstärken von Streetwork würde jedoch der Sparstift angesetzt werden. In den beiden nächsten Jahren soll das Budget der Bewährungshilfe gekürzt werden. Dies würde die Arbeit des Vereins erschweren, klagte der Sprecher, der einen steigenden Bedarf an der Arbeit der Bewährungshilfe wahrnehme.

Probleme beginnen oft online

Einen anderen Ansatz vertritt die Anwältin Anna Mair. Viele ihrer Mandanten seien Jugendliche mit Migrationshintergrund. Laut der Juristin bräuchte es eine stärkere Kontrolle von Online-Plattformen seitens des Staats. Viele Teenager würden sich nämlich auf TikTok und Co. radikalisieren. Aber auch Schulen und Eltern müssten handeln, wenn Burschen ihr Erscheinungsbild und ihre Haltung gegenüber Frauen ändern.

Die Konsequenzen würden die Jugendlichen oft gar nicht kennen. Demnach sei vielen nicht klar, dass bereits das Versenden eines islamischen Glaubensgesangs als strafbare Terrorpropaganda eingeordnet werden kann. Hier müsse in Schulen stärker aufgeklärt werden. Zudem sollen Maßnahmen ergriffen werden, dass solche Inhalte schnell von den Plattformen verschwinden, so die Juristin gegenüber der "Presse".

red,19.09.2026, 21:37