Richard Lugner prägte Wien über Jahrzehnte wie kaum ein anderer Unternehmer. Eine Straße, einen Platz oder eine andere Verkehrsfläche soll der 2024 verstorbene Baumeister dennoch nicht bekommen.
Laut Geschäftsgruppe Kultur und Wissenschaft der Stadt Wien werde jeder eingebrachte Benennungsvorschlag von der MA 9 inhaltlich geprüft. Im Fall von Richard Lugner fiel die fachliche Einschätzung negativ aus: Von einer Benennung einer Verkehrsfläche nach dem bekannten Unternehmer wurde abgeraten.
Als Gründe werden mehrere Aspekte von Lugners öffentlichem Auftreten angeführt. Dazu zählen laut Stadt angebliche homophobe Äußerungen sowie sein öffentlichkeitswirksamer Umgang mit seinen Partnerinnen, der vielfach kritisch und als sexistisch beurteilt worden sei. Auch einzelne politische Aussagen Lugners flossen demnach in die Bewertung ein.
Bei der Benennung einer Verkehrsfläche müsse das gesamte öffentliche Wirken einer Person berücksichtigt und sorgfältig abgewogen werde, informiert die Stadt. Eine solche Ehrung ist schließlich dauerhaft im Wiener Stadtbild sichtbar.
Gleichzeitig heißt es aus dem Rathaus, dass die Entscheidung Lugners Leistungen als Unternehmer nicht schmälern soll. Sein wirtschaftliches Wirken und seine Verdienste werden ausdrücklich anerkannt.
"Ich finde das sehr schade, er ist immer sehr gut mit mir umgegangen", so seine letzte Ehefrau Simone Lugner dazu in einem Video. Der Umgang von Richard Lugner sei immer gut gewesen.
In der Gesamtbetrachtung würden laut fachlicher Prüfung allerdings jene Aspekte seiner öffentlichen Person überwiegen, die gegen eine dauerhafte Ehrung durch eine Verkehrsfläche sprechen. In Lugners Heimatbezirk Wien-Döbling ist man enttäuscht. Eine Platz-Benennung wurde im Bezirksparlament mehrheitlich beschlossen, eine Grünfläche in Grinzing bereits reserviert.