Emmerling kritisiert Bund

Auszeit-WG – darum sind Intensivtäter nicht eingesperrt

Wien setzt bei Intensivtätern unter 14 Jahren auf die Auszeit-WG. Freiheitsbeschränkungen sind schwierig, Vizebürgermeisterin Emmerling erklärt, warum
Thomas Peterthalner
07.09.2026, 18:00
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Der erste Bewohner der Auszeit-WG in Wien-Simmering ist schon wieder ausgezogen – nach viel Kritik präsentiert die Stadt Wien nun ein neues Konzept für die umstrittene Wohngemeinschaft für Problem-Jugendliche. "Mit der Auszeit-WG wurde erstmals in Österreich die Möglichkeit geschaffen, strafunmündige Intensivtäter anzuhalten. Ziel der Auszeit-WG ist es, die Bevölkerung vor jugendlichen Intensivtätern zu schützen und Gewaltspiralen zu durchbrechen", erklärt Vizebürgermeisterin und Jugendstadträtin Bettina Emmerling (Neos).

Gleichzeitig soll eine intensive sozialpädagogische Diagnostik klären, welche Betreuung die betroffenen Minderjährigen benötigen. Vorgesehen sind eine sozialpädagogische Analyse sowie eine psychologische und psychiatrische Abklärung. Darauf aufbauend sollen individuell angepasste und möglichst nicht freiheitsbeschränkende pädagogische Maßnahmen entwickelt werden.

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Regeln für Freiheitsentzug

Für freiheitsbeschränkende Maßnahmen gelten allerdings klare rechtliche Voraussetzungen. Diese ergeben sich derzeit aus dem Heimaufenthaltsgesetz. Voraussetzung ist insbesondere eine psychische Erkrankung oder geistige Behinderung sowie eine dadurch verursachte erhebliche Selbst- oder Fremdgefährdung. Laut Emmerling verlängert das in vielen Fällen die Vorlaufzeit für einen Einzug in die Auszeit-WG. Sie fordert deshalb erneut eine neue bundesgesetzliche Grundlage und das Herauslösen der Kinder- und Jugendhilfe aus dem Heimaufenthaltsgesetz.

Unverständnis in Bevölkerung

"Dass sich seit über einem Jahr eine Arbeitsgruppe im Justizministerium mit dieser Frage – bisher ohne Ergebnis – beschäftigt, sorgt bei der Bevölkerung für Unverständnis. Es müssen endlich Taten folgen, damit geschlossene Einrichtungen langfristig und österreichweit möglich sind", so Emmerling.

Bist du von Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe

Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555

Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247

Rat auf Draht: 147

Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20

Polizei-Notruf: 133

Hier weiterlesen: Expertin gibt konkrete Tipps: Kontrolle, Eifersucht - wann der Alarm schrillen sollte  >

Ultima Ratio

Bei der Auszeit-WG gilt das sogenannte Ultima-Ratio-Prinzip. Eine Freiheitsbeschränkung darf nur als letztes Mittel eingesetzt werden. Zuvor müssen andere geeignete Unterstützungs- und Betreuungsmöglichkeiten ausgeschöpft oder als nicht zielführend beurteilt worden sein. Zusätzlich müssen die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sein.

Jugendhilfe kontrolliert

Auch Kontrollen sind vorgesehen. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien überwacht die Einhaltung kinderrechtlicher Standards, steht den Minderjährigen als unabhängige externe Beschwerdestelle zur Verfügung. Die Aufsicht der Wiener Kinder- und Jugendhilfe kontrolliert zudem die gesetzlichen Vorgaben und fachlichen Standards.

Minderjährige Straftäter

Hintergrund der Auszeit-WG ist ein Anstieg im Bereich der Jugendkriminalität. Laut Stadt handelt es sich dabei vor allem um eine kleine Gruppe von Intensivtätern unter 14 Jahren, die teilweise sehr schwere Straftaten in hoher Anzahl begangen haben. Für diese ist die Auszeit-WG gedacht.

{title && {title} } pet, {title && {title} } 07.09.2026, 18:00
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