Richard Lugner sollte in Döbling einen dauerhaften Platz bekommen. Der Grinzinger Anger im Herzen von Grinzing war dafür im Gespräch. Doch aus einer Benennung als Park, Platz oder Allee nach dem 2024 verstorbenen Baumeister wird vorerst nichts.
Die Stadt sprach sich gegen die geplante Ehrung aus. Als Grund werden "homophobe und sexistische Aussagen" Lugners genannt. Seine Witwe Simone Lugner und Tochter Jacqueline kritisierten die Entscheidung bereits scharf.
Nun meldet sich auch Lugners Ex-Frau Christina "Mausi" Lugner zu Wort.
Für sie steht außer Frage, dass Lugner eine entsprechende Würdigung verdient hätte.
"Richard hat gebaut, investiert, Arbeitsplätze geschaffen, Menschen unterhalten und sich immer wieder für seine Stadt eingesetzt. Er war mutig genug, Dinge zu tun, die andere niemals gewagt hätten. Ja, er war manchmal laut, manchmal provokant und sicher nicht immer bequem. Aber genau solche Persönlichkeiten fehlen einer Stadt, wenn sie nicht mehr da sind", sagt seine Ex-Frau zur "Krone".
Aus dem Büro von Kulturstadträtin Veronika Kaup-Hasler gab es dazu gegenüber der Tageszeitung lediglich die Info: "Kein Kommentar".
Vom zuständigen Unterausschuss im Rathaus heißt es, dass Lugners Leistungen als Unternehmer nicht geschmälert werden sollten. Trotzdem würden "die Aspekte überwiegen, die gegen eine dauerhafte Ehrung sprechen".
Als Begründung werden unter anderem wiederholte "homophobe und sexistische Äußerungen" sowie einzelne öffentliche Aussagen Lugners angeführt, die mit den Anforderungen an eine dauerhafte Benennung schwer vereinbar seien.
Dazu zählt auch eine Aussage über FPÖ-Chef Herbert Kickl, dem Lugner sinngemäß nahegelegt hatte, an die ukrainisch-russische Front zu gehen, damit er dort erschossen werde, heißt es in dem Bericht.
Dabei hatte die Döblinger Bezirksvertretung den Antrag für eine Würdigung Lugners mit Stimmen von ÖVP, SPÖ, FPÖ und Neos beschlossen.
Eine weitere Möglichkeit für eine Benennung könnte Rudolfsheim-Fünfhaus sein. Dort befindet sich mit der Lugner City eines der bekanntesten Projekte des Baumeisters.
Konkrete Pläne dafür gibt es derzeit allerdings nicht. Aus dem Büro von Bezirksvorsteher Dietmar Baurecht (SPÖ) heißt es dazu gegenüber der "Kronen Zeitung": "Geplant ist derzeit nichts."
Mit der Lugner City befinde sich ohnehin das größte Wahr- und Markenzeichen Lugners im Bezirk. Zur Entscheidung im Rathaus hält man sich zurück: "Entscheidungen politischer Mandatare im Rathaus kommentieren wir nicht."
Ganz vom Tisch ist eine Ehrung in Döbling dennoch nicht. Bezirksvorsteher Daniel Resch (ÖVP) kündigt in der Tageszeitung an, nach einer anderen Möglichkeit zu suchen. Wie diese aussehen könnte, ist noch offen.
"Richard Lugner war ein Wiener Original, ein leidenschaftlicher Döblinger mit Herz und Seele und jemand, der Wien über Jahrzehnte geprägt hat. Daher verdient auch einen Platz in der Geschichte unseres Bezirks", so der Bezirkschef zur "Krone".
Resch will nun möglichst rasch Gespräche mit allen politischen Fraktionen führen. Damit ist die Diskussion um eine Würdigung Lugners in Döbling noch nicht beendet.