Während der ESC-Woche in Wien sorgt ein offener Brief der Wiener Taxi-Innung für Aufsehen. Darin warnen die Taxler vor unfairen Bedingungen in der Branche – und erwähnen mögliche Protestmaßnahmen rund um das Mega-Event. "In unserer Branche wurde in den vergangenen Tagen laut darüber nachgedacht, rund um den Eurovision Song Contest mit Demonstrationsmaßnahmen auf unsere Lage aufmerksam zu machen", so steht es in dem offenen Brief an die Wiener Bevölkerung.
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Hätten die Taxler Ernst gemacht, stünde Wien ein Chaos bevor – ausgerechnet an dem Tag, an dem die ganze Welt auf uns schaut.
Resul Ekrem Gönültaş, Obmann der Fachgruppe Beförderungsgewerbe mit Pkw ("Taxi-Innung") stellt klar: "Es gab keine konkreten Planungen für eine Demo während des ESC – aber theoretisch hätte es natürlich sein können." In dem offenen Brief heißt es: "Gerade an einem solchen Tag hätte auch das Wiener Taxigewerbe ein sichtbares Zeichen setzen können."
Gespräche laufen
Hintergrund des Wirbels: Die Wiener Taxibranche kämpft seit Langem um strengere Regeln, bessere Kontrollen und eine wirtschaftliche Entlastung der Fahrer. Laut Gönültaş laufen derzeit intensive Gespräche in einer Arbeitsgruppe mit der Stadt Wien, der Wirtschaftskammer und der Arbeiterkammer. Ziel sei eine umfassende Reform des Wiener Taxigewerbes.
"Das System steht massiv unter Druck"
"Die Kosten sind massiv gestiegen, der Tarif wurde aber nicht angepasst. Gleichzeitig destabilisieren Preisunterbietungen und fehlende Sanktionen den Markt", sagt Gönültaş.
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Die Innung beklagt vor allem, dass viele Betriebe kaum noch wirtschaftlich arbeiten könnten. Steigende Treibstoffpreise, höhere Werkstattkosten und strengere Auflagen würden die Unternehmer zunehmend belasten. Gleichzeitig würden manche Anbieter den offiziellen Tarif durch Rabatte oder Schlupflöcher unterlaufen. "Das trifft jene Taxlerinnen und Taxler, die tagtäglich arbeiten und für verlässliche Mobilität in Wien sorgen", heißt es.
Die zentralen Forderungen der Wiener Taxler
1
Neuer Taxitarif soll "wieder tragfähig" werden
Die Taxi-Innung fordert eine rasche Anpassung des Wiener Taxitarifs. Der derzeitige Tarif decke laut Branche die realen Kosten längst nicht mehr ab. Zusätzlich kritisieren die Taxler, dass Preisunterbietungen den Markt verzerren würden.
2
Wiener Straßen nur für Wiener Taxis
Besonders heftig kritisiert wird die Konkurrenz durch Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen, etwa aus Schwechat. Die Innung verlangt deshalb strengere Gebietsschutz-Regeln. Fahrten innerhalb Wiens sollten nach Wunsch der Branche nur noch von Wiener Taxis durchgeführt werden dürfen. Nur so könne sichergestellt werden, dass überall dieselben Qualitätsstandards und Kontrollen gelten.
3
Mehr Kontrollen gegen "schwarze Schafe"
Die Fachgruppe fordert deutlich strengere Kontrollen und härtere Sanktionen gegen Anbieter, die sich nicht an die Regeln halten. Dafür sollen Vermittlungsplattformen künftig häufiger Daten an die Behörden melden – inklusive Lenkerdaten.
4
Strengere Ausbildung und verpflichtendes Deutsch
Auch die Ausbildung der Fahrer soll verschärft werden. Gefordert werden längere Ausbildungszeiten, praxisnähere Prüfungen und klar verankerte Deutschkenntnisse. Die Innung argumentiert, dass Sprachkenntnisse und Ausbildung direkt mit Sicherheit und Servicequalität zusammenhängen würden.
5
Mehr Transparenz bei Fahrten
Fahrer würden bei manchen Plattformen oft erst sehr spät erfahren, wohin eine Fahrt geht und wie viel sie tatsächlich einbringt. Die Taxi-Innung fordert deshalb vollständige Transparenz bereits vor Annahme der Fahrt – inklusive Zielort und Preis. Das sei eine Frage der Fairness und Planbarkeit.
6
Auch Vermittler sollen stärker kontrolliert werden
Nicht nur Fahrer und Unternehmen, sondern auch große Vermittlungsplattformen sollen stärker reguliert werden. Wer Preise beeinflusse und den Markt steuere, müsse auch Verantwortung übernehmen, fordert die Branche.
Keine Demo geplant – aber Unmut bleibt groß
Nach den Spekulationen rund um mögliche Proteste während des ESC versucht die Taxi-Innung nun zu beruhigen. Aktuell gebe es keinerlei konkrete Planungen für Demonstrationen. Aber: "Der Verzicht an diesem Wochenende ist keine Entwarnung", steht im Brief.