Mehr als 4.300 Internetadressen mit extremistischen und verstörenden Inhalten haben Ermittler bei einer europaweiten Aktion gegen das Online-Netzwerk "The Com" ausfindig gemacht. Die Links wurden an Plattformbetreiber gemeldet, damit die Inhalte entfernt werden. Gleichzeitig wollten die Behörden neue Ermittlungsansätze gegen die Hintermänner gewinnen, teilte Europol mit.
An den sogenannten "Referral Action Days" beteiligten sich Ermittler aus Belgien, Finnland, Ungarn, Irland, Luxemburg, den Niederlanden, Portugal, Spanien und Schweden. Unterstützt wurde die Aktion von Europols Internet Referral Unit sowie dem spanischen Zentrum zur Bekämpfung von Terrorismus und organisierter Kriminalität.
"The Com" sei kein klassisches Terrornetzwerk mit einer zentralen Führung, sondern ein loses Geflecht aus Online-Gruppen, erklärt Europol. Die Mitglieder würden ein menschenverachtendes Weltbild teilen, in dem Gewalt häufig Selbstzweck sei. Einige Gruppen würden zudem rechtsextreme Ansichten vertreten und dazu aufrufen, mit Anschlägen und Gewalt bewusst Chaos in der Gesellschaft auszulösen.
Besonders alarmierend sei, dass die Gruppen gezielt Kinder und Jugendliche ins Visier nehmen. Laut Europol suchen die Täter ihre Opfer auf sozialen Netzwerken, Messenger-Diensten und Gaming-Plattformen. Von dort würden sie in private Chats gelockt, wo sie schrittweise radikalisiert, manipuliert und eingeschüchtert werden.
Die Opfer würden dazu gedrängt, sich selbst zu verletzen, Tiere zu quälen oder Gewalttaten zu verüben. Teilweise würden Minderjährige sogar gezwungen, Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs zu produzieren. Anschließend würden sie mit den Aufnahmen erpresst, damit sie unter dem Einfluss der Täter bleiben.
"Die leichte Zugänglichkeit zu Inhalten von 'The Com' ist alarmierend", warnt Europol. Algorithmen sozialer Netzwerke würden Jugendliche mit extremistischen Inhalten konfrontieren – "ob sie danach suchen oder nicht". Was zunächst harmlos erscheine, entwickle sich rasch zu extremen Gewaltdarstellungen und traumatisierenden Inhalten. Die Gruppen verwendeten dabei bewusst Codes und Emojis, deren Bedeutung viele Erwachsene nicht erkennen.
Nach Angaben der Ermittler gilt innerhalb des Netzwerks ein perfides Prinzip: Je brutaler die Inhalte, desto höher das Ansehen der Täter. Videos von Selbstverletzungen, Tierquälerei oder Gewalttaten würden teils live übertragen und anschließend innerhalb der Szene verbreitet. Außerdem kursierten Anleitungen zum Bau von Sprengsätzen, zu Mord, Erpressung oder zur gezielten Manipulation Minderjähriger.
Europol stuft "The Com" mittlerweile als globale Bedrohung ein. In den vergangenen zwei Jahren habe sich das Netzwerk stark ausgebreitet. Besonders besorgniserregend sei, dass Minderjährige dabei nicht nur zu Opfern würden, sondern zunehmend selbst Straftaten begehen. Mit der Aktion sollte deshalb nicht nur Propaganda aus dem Netz entfernt, sondern auch die weitere Rekrutierung junger Menschen erschwert werden.