Trump, Zölle, Spritpreise

"Man greift sich ans Hirn" – Top-Ökonom fassungslos

Neue Trump-Zölle, Ölpreis über 100 Dollar: WIFO-Chef Felbermayr erklärt, warum die EU glimpflich davonkommt – für uns trotzdem alles teurer wird.
Roman Palman
24.07.2026, 20:00
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Donald Trump überzieht Dutzende Handelspartner mit neuen Zöllen, der Iran-Krieg treibt den Ölpreis über 100 Dollar. WIFO-Chef Gabriel Felbermayr erklärt im Ö1-Interview, was jetzt auf Europa und Österreich zukommt.

Gleich zwei neue Schockwellen treffen derzeit die Weltwirtschaft: Die USA verhängen Zölle gegen 60 Handelspartner – darunter auch die Europäische Union. Gleichzeitig verschärfen die Angriffe im Iran und auf Öltanker im Roten Meer die Sorge vor einer Energiekrise.

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Die neuen US-Zölle liegen je nach Land und Produkt bei zehn oder 12,5 Prozent. Betroffen sind laut US-Regierung Handelspartner, die zusammen für 99,4 Prozent der amerikanischen Importe stehen. Als Begründung nennt Washington angeblich unzureichende Maßnahmen gegen Produkte aus Zwangsarbeit.

Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) und seit März 2026 Mitglied der deutschen "Wirtschaftsweisen", sieht für Europa zumindest vorerst einen kleinen Lichtblick. Das Ergebnis aus Trumps neuem Zoll-Tsunami falle "ein bisschen besser aus, als befürchtet".

"Sieht aus, als kämen wir glimpflich davon"

Die große Sorge sei gewesen, dass Washington die neuen Abgaben einfach auf bereits bestehende Zölle draufschlägt. Damit hätte die im Handelsabkommen vereinbarte Obergrenze von 15 Prozent bei vielen Produkten überschritten werden können. Genau das sei zunächst ausgeblieben.

Bei bestimmten Produkten könne die gesamte Zollbelastung sogar geringer ausfallen als bisher angenommen. "Für uns in Europa ändert sich wahrscheinlich gar nicht so viel", sagt der Ökonom.

"Es könnte sein, dass die gesamte Zollbelastung für Europa etwas kleiner wird, weil man nicht mehr die Zusatzzölle zu den lange vereinbarten Zöllen hinzuschlägt, sondern bei 12,5 Prozent liegt. Und das ist unter 15 Prozent", erklärt Felbermayr. Sein vorsichtig positives Fazit: "Es sieht so aus, als kämen wir glimpflich davon."

"Da greift man sich ans Hirn"

Für Kopfschütteln sorgt beim Ökonomen hingegen die Begründung für die neuen Zölle. Die US-Regierung wirft den betroffenen Handelspartnern vor, nicht ausreichend gegen Waren aus Zwangsarbeit vorzugehen.

"Da greifen sich viele schon ein bisschen ans Hirn", sagt Felbermayr. Wie man Zölle gegen Europa und andere Industriestaaten mit Zwangsarbeit begründen könne, sei schwer nachvollziehbar.

Washington argumentiere, diese Länder würden zu wenig gegen Zwangsarbeit in anderen Teilen der Welt unternehmen. Für Felbermayr ist das "sehr, sehr weit hergeholt". Er könne sich nicht vorstellen, dass diese Linie vor Gericht halten wird.

Kommt zweite Welle?

Für Europa ist die Gefahr damit allerdings nicht gebannt. Neben der Untersuchung zu Zwangsarbeit läuft laut Felbermayr noch ein zweites US-Verfahren zum Thema Überkapazitäten.

Dabei wird europäischen Staaten vorgeworfen, in bestimmten Branchen zu große Produktionskapazitäten aufgebaut zu haben. Diese würden zu hohen Exporten und großen Handelsüberschüssen führen.

Die Untersuchung sei noch nicht abgeschlossen. "Da könnte noch einmal etwas kommen", warnt der WIFO-Chef. Für ihn steht fest: "Die US-Administration ist – egal, wie die rechtliche Lage ist – gewillt, diese Zollpolitik fortzusetzen."

Ölpreis über 100 Dollar

Noch größere Sorgen macht Felbermayr derzeit allerdings der wieder aufgeflammte Iran-Krieg. Die USA griffen nach Angaben ihres Zentralkommandos bereits in der 13. Nacht in Folge militärische Ziele im Iran an.

Zusätzlich meldete die mit Teheran verbündete Huthi-Miliz Angriffe auf zwei saudi-arabische Öltanker im Roten Meer. Die Eskalation ließ den Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent wieder über die Marke von 100 Dollar steigen.

"Gut ist das überhaupt nicht", sagt Felbermayr. Hohe Rohölpreise belasten die globale Konjunktur und treiben gleichzeitig die Inflation nach oben.

Steigt die Inflation erneut deutlich, könnte das auch Folgen für die Zinsen haben: "Höhere Inflation heißt, dass es mit höherer Wahrscheinlichkeit Zinserhöhungen geben könnte. Auch das wirkt dann noch auf die Konjunktur."

Ein kleiner beruhigender Faktor sei, dass das Rote Meer bereits vor der jüngsten Eskalation von vielen Reedereien gemieden wurde. Nach Felbermayrs Einschätzung wurden dort zuletzt nur noch rund 30 bis 40 Prozent jenes Verkehrs abgewickelt, der normalerweise die Route nutzt. Der Angriff treffe daher keine Meerenge, die zuvor voll ausgelastet gewesen sei.

Dennoch bleibt seine Einschätzung eindeutig: "Das ist nicht gut. Für die Konjunktur und die Inflation bedeutet das nichts Angenehmes."

Neuauflage der Spritpreisbremse

Die höheren Ölpreise kommen inzwischen auch bei Österreichs Autofahrern an. "Das sehen wir schon sehr deutlich an den Zapfsäulen", sagt Felbermayr. Die starken Preisschwankungen erinnerten ihn an die Corona-Krise. Damals hätten sich rasche Preissteigerungen und Preisrückgänge ebenfalls abgewechselt.

Felbermayr warnt die Politik jedoch davor, vorschnell mit komplizierten Eingriffen auf steigende Benzin- und Dieselpreise zu reagieren. Die Sinnhaftigkeit einer neuen Spritpreisbremse scheidet sich für den WIFO-Chef zwischen den beiden Ansätzen.

Eine Möglichkeit wäre, die Mineralölsteuer – kurz MÖSt – vorübergehend zu senken. Der Staat könnte damit einen Teil jener zusätzlichen Einnahmen zurückgeben, die durch höhere Benzin- und Dieselpreise entstehen.

Für Deutschland würde Felbermayr diesen Schritt nicht empfehlen. In Österreich habe der Fiskus wegen der besonders starken automatischen Anpassung zahlreicher Preise an die Inflation hier mehr Handlungsspielraum. "In wenigen anderen Ländern werden so viele andere Preise an die Inflation gekoppelt. Das haben wir in den vergangenen Jahren leidvoll erfahren."

Gegen eine zeitlich begrenzte MÖSt-Senkung würde er sich deshalb "nicht wehren". Für Menschen, die täglich weite Strecken mit dem Auto zurücklegen müssen, könne eine solche Entlastung durchaus spürbar sein.

"Am Ende ist den Ölscheichs geholfen"

Begeistert ist Felbermayr von staatlichen Eingriffen dennoch nicht. Werden höhere Preise abgefedert, sinkt auch der Anreiz, Energie einzusparen. "Wenn jedes Land das tut und die Knappheitssignale nicht im notwendigen Ausmaß bei den Verbrauchern ankommen, wird mehr nachgefragt. Das treibt die Preise wieder in die Höhe."

Seine Warnung: "Am Ende ist den Ölscheichs und den Raffinerien geholfen, aber nicht den Verbrauchern – und der Finanzminister hat Nachteile." Eine Entlastung müsse daher sehr vorsichtig und zielgerichtet gestaltet werden.

Absage an komplizierte Margenbegrenzung

Deutlich kritischer sieht Felbermayr eine staatliche Begrenzung der Gewinnmargen von Tankstellen und Mineralölkonzernen. Dieses Instrument sei "höchst komplex", technisch nur schwer durchführbar und seine tatsächliche Wirkung fragwürdig. "Das war nicht das Gelbe vom Ei", urteilt der Ökonom. Sollte die Politik handeln, müsse sie eine möglichst einfache und in ihrer Wirkung vorhersehbare Lösung wählen.

Felbermayrs Gesamtbefund fällt damit zweigeteilt aus: Bei den neuen Trump-Zöllen dürfte Europa vorerst glimpflicher davonkommen als befürchtet. Der Iran-Krieg und die steigenden Energiepreise könnten die Wirtschaft jedoch wesentlich härter treffen – über teureren Sprit, eine höhere Inflation und möglicherweise erneut steigende Zinsen.

{title && {title} } rcp, {title && {title} } 24.07.2026, 20:00