Abendessen um 13:30 Uhr, Ausschluss von Schulausflügen, strukturelle Probleme – auf all diese Missstände im Wiener Jugendstrafvollzug machte die Wiener Kinder- und Jugendstaatsanwaltschaft (KIJA) bei einer Pressekonferenz am Dienstag aufmerksam. Für diesen Bericht wurden Gespräche mit rund 40 Insassen geführt, die traurige Erkenntnisse ans Licht brachten.
Von Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts bis hin zu Beschimpfungen – die befragten Jugendlichen berichteten offen über ihren Alltag und deckten untragbare Zustände auf. Sie erzählten, dass Insassen der Justizanstalt Josefstadt im Vorjahr ihre letzte Mahlzeit bereits gegen 13:30 Uhr erhielten und nur zweimal pro Woche duschen durften. Der Grund: ein Mangel an Warmwasser.
Nicht nur das: Auch der Umganston sei mehr als rau gewesen. Beleidigungen durch das nicht angemessen ausgebildete Personal standen an der Tagesordnung. Was hingegen immer seltener vorkam, waren Angebote zur Beschäftigung oder zur Freizeit – die Einschlusszeiten hingegen waren extrem lang. Außerdem dürfen Kinder, die in Wien fremduntergebracht sind, oft nicht an Schulausflügen, Projekttagen oder Ferienlagern teilnehmen.
Eine Gruppe hat es laut dem Jahresbericht der KIJA besonders schwer im Vollzug: die Mädchen. Im Vergleich zu den Burschen gibt es vergleichsweise wenige weibliche Insassen, eine eigene Abteilung für sie gibt es nicht. Das scheint auch weiterhin so vorgesehen zu sein: Die Mädchen werden zusammen mit erwachsenen Frauen untergebracht. Aus mehreren Blickwinkeln ist das problematisch: Einerseits verletzt dies das Trennungsgebot von Erwachsenen, andererseits müssten auch Besuche der Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen entfallen. Und obwohl die inhaftierten Burschen bereits wenige Freizeitangebote haben, haben die Mädchen noch weniger – dasselbe gilt für den Zugang zur psychiatrischen Versorgung.
Ein weiteres Problem in der JA Josefstadt: Immer wieder kommt es seit Jänner 2025 dazu, dass Insassen in das neue Jugendgefängnis am Münnichplatz in Simmering verlegt werden. Dieses soll bis Ende des Jahres den Vollbetrieb aufnehmen. Das Problem: Bis vor Kurzem war es noch eine komplette Baustelle.
Strukturelle Probleme seien die Folge gewesen, so sei die Infrastruktur zur Freizeitgestaltung "zu weiten Teilen noch nicht fertiggestellt" gewesen, erklärt Wiener Kinder- und Jugendanwalt Sebastian Öhner. Die Ausstattung ließ noch zu wünschen übrig, und auch Personal sei seitens der Justizwache noch nicht ausreichend vorhanden.