Staranwalt veruntreute Gelder

Klientengelder weg – Opfer nehmen Kammer in die Pflicht

Nachdem Anwalt Manfred Rath Gelder veruntreute, warten die Betroffenen auf Entschädigung. Sie sehen die Rechtsanwaltskammer in der Verantwortung.
Österreich Heute
16.02.2026, 11:10
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Mehr als zwei Jahre nach dem Bekanntwerden der Veruntreuung von Treuhandgeldern durch den inzwischen verstorbenen Grazer Anwalt Manfred Rath warten zahlreiche Betroffene weiterhin auf ihr Geld. Im Konkursverfahren über seine Verlassenschaft stehen Forderungen von rund 1,6 Millionen Euro im Raum. Für die geschädigten Klienten geht es dabei um insgesamt etwa 330.000 Euro. Ein Großteil dieser Summe ist bis heute offen – rund 260.000 Euro wurden noch nicht ersetzt.

Gelder veruntreut

Der Fall wurde 2023 publik, nachdem Rath infolge eines Sturzes am Freizeitareal Copacabana ums Leben gekommen war. Erst danach wurde bekannt, dass Treuhandgelder, die eigentlich für Grunderwerbssteuern und Grundbucheintragungen vorgesehen waren, zweckwidrig verwendet wurden. Für die betroffenen Käufer bedeutete das, die Beträge ein zweites Mal bezahlen zu müssen, damit ihre Immobiliengeschäfte rechtlich abgeschlossen werden konnten.

"Warten seit zwei Jahren"

Die Verzögerungen sorgen bei den Opfern für massiven Unmut – insbesondere gegenüber der Rechtsanwaltskammer, die in Schadensfällen grundsätzlich mit einem von Anwälten gespeisten Fonds einspringen soll. Viele Betroffene empfinden das Vorgehen in diesem Fall als zu zögerlich.

"Wir warten seit mehr als zwei Jahren auf eine Entschädigung", sagt Johannes Neuhold, der einen Wohnungskauf in Gleisdorf über Rath abgewickelt hatte in der "Kleinen Zeitung". "Unser Eindruck ist nicht, dass die Anwaltskammer sich hier besonders aktiv um eine Entschädigung bemüht."

Kritik am Anwaltskammer

Auch Stephan Zimmermann, der in Graz eine Wohnung erworben hatte, fühlt sich von den bisherigen Stellungnahmen der Kammer nicht überzeugt. Er ortet darin ein "beschönigendes Bild funktionierender Sicherheitsnetze".

Diese hätten aus seiner Sicht bislang nicht gegriffen. In beiden Fällen beläuft sich der Schaden inklusive Nebenkosten auf etwa 3000 bis 3500 Euro. Zusätzlich warten mehrere Käufer des betroffenen Grazer Wohnprojekts weiterhin auf die Eintragung ihrer Eigentumsrechte im Grundbuch.

Notfallfonds bereits genutzt

Seitens der Anwaltskammer heißt es, dass bislang rund 75.000 Euro aus dem Notfallfonds an Geschädigte ausbezahlt wurden – allerdings nur in jenen Fällen, in denen keine Versicherung zuständig ist. Michael Kropiunig, Präsident der RA-Kammer verweist in der "Kleinen Zeitung" darauf, dass bei Treuhandfällen grundsätzlich eine Versicherung für den Schaden aufkommt.

Betroffene müssen weiter warten

"Begleichen wir den Schaden vorher aus unserem Fonds, wirft uns die Versicherung eine Obliegenheitsverletzung vor, weil sie ja nur den tatsächlich entstandenen Schaden übernimmt", erklärt Michael Kropiunig. Der noch offene Schaden könne daher erst nach Abschluss des Konkursverfahrens ersetzt werden.

Dieses verzögert sich derzeit, weil der Verkauf der Immobilien aus der Verlassenschaft nur schleppend vorankommt. Nach Abschluss des Verfahrens sollen die Geschädigten zunächst eine Quote erhalten, den Rest werde die Kammer übernehmen und sich das Geld anschließend von der Versicherung refundieren lassen.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 16.02.2026, 13:09, 16.02.2026, 11:10
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