Klimakrise – Zellerschnitzel statt Schweinsbraten

Unser Ernährungssystem ist jedes Jahr für 26 Prozent der menschengemachten Treibhausgase verantwortlich.
Unser Ernährungssystem ist jedes Jahr für 26 Prozent der menschengemachten Treibhausgase verantwortlich.Getty Images
Tierzucht für Nahrungsmittelproduktion verursacht große Mengen an Treibhausgasen. Vegane Kost hilft laut Studie im Kampf gegen die Klimakrise doppelt.

Schädliche Treibhausgase würden weltweit signifikant sinken, wenn sich die Bevölkerung einkommensstarker Länder pflanzlich ernähren würden. Das zeigte eine Studie im Fachmagazin "Nature Food". So könnte der Ausstoß von Emissionen durch die Aufzucht von Rindern, Schweinen oder Hühnern eingespart werden. Die dann freien landwirtschaftlichen Flächen würden im Kampf gegen die Klimakrise ebenfalls enorm helfen.

Die weltweiten Auswirkungen unserer Essensgewohnheiten dürften nicht unterschätzt werden. Unser Ernährungssystem ist jedes Jahr für 26 Prozent der menschengemachten Treibhausgase verantwortlich.

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Selbst wenn die ganze Welt ab sofort keine fossilen Brennstoffe mehr nutzen würde, wären allein die Emissionen aus dem Ernährungssystem für die Erderhitzung um 1,5 Grad und bis Ende des Jahrhunderts sogar bis zwei Grad verantwortlich. Im Pariser Klimaabkommen einigte sich die Staatengemeinschaft auf das Ziel, die Erderwärmung zum Schutz des Planeten und seiner Bewohner möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

Nutzen für Biodiversität und Ökosysteme

Jene Felder, die mit der Umstellung nicht mehr für die Tierzucht oder zum Anbau von Tierfutter gebraucht werden, könnten dann zu riesigen Biodiversitätsflächen werden.

Für die volle Wirkung müssten aber viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte vergehen. Dafür brauche es einen langen Atem und politisches Engagement, so die Forscher. Auf diese Weise könnte das ursprüngliche Ökosystem wieder in Balance gebracht werden und die Erde deutlich mehr Kohlenstoff speichern.

Laut aktuellen Berechnungen kann die weltweite Vegetation nur 50 Prozent des schädlichen Kohlenstoffs wegen der menschlichen Landnutzung halten. Nicht berücksichtigt sind in diesem Szenario allerdings mögliche Rückschläge durch von der Klimakrise ausgelöste Extremwetter-Ereignisse, wie Fluten oder Brände.

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Ernährungsumstellung für Klimaschutz

Laut Berechnung der Studienautoren des Fachmagazins "Nature Food" könnte Land, das durch die Reduzierung des Konsums von Fleisch- und Milchprodukten sowie Eiern wieder frei wird, die 81-fache Menge der jährlichen Treibhausgas-Emissionen der gesamten Agrarproduktion für reiche Länder speichern. Eine Ernährungsumstellung auf weitgehend pflanzliche Kost in reicheren Ländern auf Basis der Empfehlungen der sogenannten EAT-Lancet-Kommission von 2010 würde die jährlichen Emissionen durch direkte landwirtschaftliche Erzeugnisse um 61,5 Prozent reduzieren.

Die EAT-Lancet-Kommission besteht aus 37 Wissenschaftlern aus 16 Ländern und unterschiedlichen Forschungsbereichen, wie Ernährung, Gesundheit und Nachhaltigkeit. Das Ziel der Kommission ist es, eine wissenschaftliche Grundlage für den Wandel der weltweiten Ernährungssysteme zu schaffen.

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Die positiven Auswirkungen der Ernährungsumstellung auf die Klimakrise wären aber noch deutlich höher: Nicht mit einberechnet sind dabei nämlich die zusätzlichen Emissionen, die durch den Wegfall von Transportwegen, Verpackungsherstellung oder etwa dem Verkauf der tierischen Produkte eingespart werden können. Fast die Hälfte der Reduktion könnte allein in den USA (29,9 Prozent), Frankreich (7,1 Prozent), Australien (6,5 Prozent) und Deutschland (4,4 Prozent) erreicht werden.

Sorgen um ausreichend Nahrung muss man sich bei einem fleischfreien Szenario übrigens nicht machen: Es müsste nur eine geringe Erhöhung des Anbaus von Obst oder etwa pflanzlichem Protein, wie Linsen, Kichererbsen oder Tofu, geben. Pflanzen, die bisher für die Fütterung von Tieren angebaut wurden, könnten ohne Umweg direkt von Menschen gegessen werden.

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