Zum ersten Mal in der Geschichte der UN-Klimakonferenzen steht heuer ein besonders brisantes Thema auf dem Programm: Klimadesinformation. Bei der COP30 im brasilianischen Belém verpflichteten sich zahlreiche Staaten dazu, aktiv gegen Lügen und Falschinformationen über die Klimakrise vorzugehen.
"Wir leben in einer Zeit, in der Obskurantisten wissenschaftliche Erkenntnisse ablehnen und Institutionen angreifen", wetterte Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva. Die Welt müsse endlich die Leugner "besiegen", so Lula. Er will die COP30 zur "Konferenz der Wahrheit" machen - mitten in einer Ära voller Fake News und gezielter Irreführung.
Auch UN-Chef António Guterres schlug bereits im Vorfeld des Gipfels in dieselbe Kerbe. Er forderte ein Ende von Greenwashing, Online-Hetze und Einschüchterung von Forschern. "Wissenschaftler sollten niemals Angst davor haben, die Wahrheit zu sagen", sagte er.
Die Initiative gegen Klima-Fakes wird mittlerweile von 13 Ländern getragen - darunter auch Deutschland, das neu dazugestoßen ist. Unterstützt wird sie von hunderten NGOs, indigenen Gruppen und Persönlichkeiten, die in einem offenen Brief eine starke und verbindliche Maßnahme zur Wahrung der Informationsintegrität fordern.
Die Faktenlage ist alarmierend: Laut einem Bericht stiegen Desinformationen rund um die COP30 zuletzt um satte 267 Prozent. Begriffe wie "Versagen", "Desaster" oder "Witz" häufen sich in Zusammenhang mit dem Klimagipfel in sozialen Netzwerken. Eine regelrechte Desinformations-Industrie profitiere davon - mit fossilen Interessen, politischen Agitatoren und Influencern an der Spitze, so UN-Expertin Charlotte Scaddan.
Die "Globale Initiative für Informationsintegrität" zum Klimawandel ist eine Partnerschaft zwischen der brasilianischen Regierung, den Vereinten Nationen und der UNESCO mit dem Ziel, Desinformationen zum Klimawandel zu bekämpfen. Sie wurde im November 2024 auf dem G20-Gipfel in Rio de Janeiro angekündigt.
Die neue Erklärung beinhaltet sechs konkrete Versprechen - darunter der Schutz unabhängiger Medien, verlässliche Umweltinfos für alle und der Aufbau von Abwehrmechanismen gegen digitale Klimafakes. Auch der Privatsektor soll mitziehen und transparente Werbepraktiken sicherstellen.
UNESCO-Chefin Audrey Azoulay bringt es auf den Punkt: "Ohne Zugang zu verlässlichen Informationen über den Klimawandel können wir niemals hoffen, ihn zu überwinden."