Protokoll der Krisensitzung

"Könnt mich nicht absetzen": So erpresste Babler SPÖ

Wie mehrere Teilnehmer "Heute" bestätigen, stand der Bund-Länder-Gipfel der SPÖ mehrmals auf Messers Schneide. Parteichef Babler wollte nicht weichen.
Clemens Oistric
05.10.2026, 11:37
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Eine stundenlange Marathonsitzung, mehrere Unterbrechungen, am Ende tänzelte die SPÖ ins völlige Chaos: Der Krisengipfel zwischen den neun Länderchefs, Gewerkschaft und Frauenorganisation am Sonntag ist völlig eskaliert.

"Könnt mich nicht absetzen"

Wie mehrere Teilnehmer gegenüber "Heute" bestätigen, verweigerte Andreas Babler seinen Rückzug beharrlich: "Ihr könnt mich nicht absetzen", soll er mehrmals gedonnert haben. Seine Abwahl sei nur durch die Mitglieder oder auf einem Parteitag möglich. Darüber hinaus habe er auf seine Beliebtheit in der Bevölkerung verwiesen und den großen Erfolg, die SPÖ zurück in die Regierung geführt zu haben.

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Da hatten ihm freilich in seltener Einigkeit alle neun Länderchefs und die Gewerkschaft längst das Vertrauen entzogen. Burgenland-Chef Hans Peter Doskozil machte am Sonntag die erste Wortmeldung, seine Genossen aus den Bundesländern und der Hauptstadt folgten. Die Meinung der Länderchefs war einhellig.

Dennoch dachte Babler nicht ans Aufgeben, klammerte sich regelrecht an seine Posten und kam mit immer neuen Zeitplänen, die bis weit ins neue Jahr reichten. "Er wollte uns regelrecht erpressen", bringt ein SPÖ-Grande die aufgeheizte Stimmung auf den Punkt. Bei einer Sitzungsunterbrechung redete ihm der mächtige Gewerkschaftschef Wolfgang Katzian ins Gewissen.

Philip Kucher und Eva-Maria Holzleitner führen künftig die SPÖ.
Helmut Graf

SPÖ nun mit 3 (!) Chefs

Die Absetzung Bablers – die für die Länder wegen chronischer Erfolglosigkeit unabdingbar ist – stand mehrmals auf Messers Schneide. Am Ende zimmerte man einen Kompromiss: Babler bekommt als Parteichef ab sofort zwei "Aufpasser" zur Seite gestellt.

Klubchef Philip Kucher, der zu allen Lagern in der Partei eine gute Gesprächsbasis mitbringt, teilt sich die rote Herkules-Aufgabe mit Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner. Sie sei laut einem Parteistrategen doppelt legitimiert – ist sie doch bereits jetzt stellvertretende Bundesparteichefin und SPÖ-Frauenvorsitzende.

Mit Jahreswechsel geht die Führung der Partei komplett an das rote Duo über – bis zu einem Parteitag im Frühjahr. "Beide haben aber keinerlei Ambition, die SPÖ dauerhaft zu übernehmen", heißt es aus der Partei.

Bablers Selbstrettungsplan

Das Vizekanzleramt will Babler 2027 an seinen Vertrauten Markus Marterbauer übergeben – sofern der völlig gesund ist. "Babler hat sich dadurch vor allem einmal Zeit gekauft", so ein roter Insider. In Andreas Bablers Selbstrettungsplan, bei der die SPÖ (in der Sonntagsfrage nur noch bei 15 Prozent) immer weiter absinkt, legte er sein Schicksal in die Hände Marterbauers. Den hat er allerdings selbst in die Politik geholt.

Nun möchte Babler weiter Minister bleiben, sofern Marterbauer dies wünsche. Besonders skurril mutet eine Aussendung von Parteimanager Klaus Seltenheim an die roten Parteimitglieder an. Hier schreibt Seltenheim davon, dass Babler "das Wohl der Partei über sein eigenes" gestellt habe. Ein Parteimitglied: "Es gibt wohl wahrlich einen größeren Verzicht, als weiterhin 19.000 Euro Ministergehalt pro Monat einzukassieren."

Ob Markus Marterbauer bei einem Parteitag als neuer Parteichef antreten möchte, ist völlig offen. Fakt ist lediglich: Die neun Landesparteichefs sind durch die veritable Krise, in die Babler die Partei manövriert hat, wieder enger zusammengerückt.

Dosko-Comeback in Bundespartei

Am Sonntag war man erstmals seit 2023 wieder zu neunt zusammengekommen, möchte sich auch hinkünftig enger abstimmen. Sobald Andreas Babler Geschichte ist, kehrt – neben den anderen acht Landesparteiobleuten – selbst Burgenland-Chef Doskozil in die Gremien zurück.

Burgenland-Chef Doskozil will mittelfristig in Bundesgremien zurückkehren.
Helmut Graf

Tief begeistert dürfte der rote Grande vom Ausgang der roten Krisensitzung nicht gewesen sein. Er setzte sich bei Bablers Statement inklusive Selbstbeweihräucherung ("Ich weiß, dass ich auch viel Respekt gezollt bekomme") nicht wie die anderen acht Landesparteichefs, die Frauenchefin und der Gewerkschaftschef in die erste Reihe, sondern war zum Zeitpunkt der Pressekonferenz bereits am Weg ins Südburgenland.

Babler tanzt der SPÖ weiter auf der Nase herum.
Helmut Graf

Auf Nachfrage teilte sein Büro am Montag mit, dass der Landeshauptmann in der Sitzung zugesagt habe, "den mühsam zustande gekommenen Kompromiss nicht durch öffentliche Kritik zu konterkarieren". Für Doskozil stehe fest, "dass die getroffene Vereinbarung jetzt eine Chance bekommen soll".

coi,Akt. 05.10.2026, 12:34, 05.10.2026, 11:37