1988 von Hein Mader erbaut, jetzt gereinigt: Das "offene Ohr des Bürgermeisters" am Riemerplatz in St. Pölten (Bezirk St. Pölten, NÖ) trägt die eigene Bedeutung im Namen. KPÖ-Spitzenkandidat Max Zirngast reinigt nun das Ohr symbolisch.
"Ich fürchte, ich höre die Leute nicht mehr so gut ...", sagt ein Mann im blauen Anzug und einer roten Krawatte auf dem Plakat. Der Mann mit dem Wattestäbchen erwidert: "Da können wir doch etwas dagegen unternehmen!"
Auf dem Plakat putzt der Mann im Pullover, wie auch Zirngast, das "offene Ohr des Bürgermeisters". "Wollen dafür sorgen, dass der Bürgermeister wieder auf die Menschen hört", so die KPÖ St. Pölten.
Laut der KPÖ St. Pölten habe nämlich der Bürgermeister von St. Pölten, Matthias Stadler, kein offenes Ohr mehr für die Bevölkerung.
"Wir haben in den letzten Monaten viele Gespräche mit St. Pöltnern geführt. Allein in den letzten Wochen haben wir bei Haustürgesprächen im St. Pöltner Norden mit über 250 Menschen gesprochen und viele Menschen fühlen sich nicht mehr gehört," erklärt KPÖ-Spitzenkandidat Zirngast.
Laut KPÖ St. Pölten würden sich besonders junge Menschen nicht von der Stadtregierung gehört fühlen: nicht genügend Sport- und Freizeitangebote sowie konsumfreie Räumlichkeiten. Auch die hohen Wohneinstiegskosten, laut KPÖ St. Pölten, würden es jungen Personen zusätzlich erschweren.
Vorschlag der KPÖ: Mietendeckel bei städtischen Wohnungen sowie einen städtischen Kautionsfonds.
Mieten würden ansteigen und Betriebskosten extrem in die Höhe schießen. Angebote, dazu zählt zum Beispiel die Brennstoffaktion, würden zu unbekannt und mit hohem Aufwand verbunden sein.
Vorschlag der KPÖ: eine "SozialCard". Diese soll eine Zusammenfassung der städtischen Unterstützungen bieten, den Beziehern automatisch übermittelt werden und auch vergünstigte Eintritte für Angebote von Kultur– und Freizeitmöglichkeiten bereitstellen. Einen Kartenantrag einbringen soll reichen.
"Wir wollen in der kommenden Periode im Gemeinderat dafür sorgen, dass die Anliegen der Menschen gehört werden und endlich wieder Rückenwind für soziale Politik da ist", so Zirngast. Aus diesem Grund putzt er symbolisch das Ohr in St. Pölten.
Im Jahr 1810 soll die Erzherzogin Marie Louise zur ihrer Hochzeit mit Napoleon Bonaparte unterwegs gewesen und hier vorbeigekommen sein. Am Riemerplatz sei deshalb temporär ein Triumphbogen mit verbogener Harmoniemusik aufgestellt worden.
"Ganz offensichtlich möchte der Bürgermeister lieber durch einen Triumphbogen mit Musikbegleitung ins Rathaus einziehen statt sein Ohr bei den Sorgen und Anliegen der Menschen zu haben", erklärt die KPÖ St. Pölten kritisch.