Der Start bei Ö3 war alles andere als glamourös. An seinem ersten Arbeitstag bekam der damals 16-jährige Robert Kratky von einem Kollegen sinngemäß zu hören, dass es sich ohnehin nicht lohne, sich seinen Namen zu merken, lange werde er wohl nicht bleiben.
Und schon bei einer der ersten Redaktionssitzungen musste er lernen, wie hart das Geschäft sein konnte. Eine Idee, die er zuvor einem Kollegen erzählt hatte, wurde von diesem kurzerhand selbst vorgeschlagen und der bekam dafür auch noch den Auftrag.
Zunächst erledigte Kratky alles Mögliche, Straßenumfragen, Kinobeiträge, Meldungen und für das Wecker-Team holte er Essen und Getränke aus der Kantine. Doch auch dort war bald Schluss. Eine Moderatorin fühlte sich von ihm offenbar genervt, weshalb ihm geraten wurde, sich lieber bei einer anderen Sendung nützlich zu machen.
Beim Jugendprogramm bekam Kratky schließlich seine Chance, zunächst nachts. Und damit war es um ihn geschehen. "Ich wollte on air sein. Seit ich es zum ersten Mal gemacht hatte, war das wie eine Sucht, ein Sog."
Wie sehr er unbedingt moderieren wollte, zeigt eine ziemlich ungewöhnliche Methode. Kratky rief andere Nachtmoderatoren vor deren Dienst an und bot ihnen an, das Honorar einfach zu behalten, wenn dafür er die Sendung übernehmen durfte. Gratis. Untertags arbeitete er weiter hinter den Kulissen, nachts stellte er sich hinters Mikrofon.
Dass dabei nicht sofort Radiogold entstand, sieht Kratky heute selbst recht nüchtern. Seine frühen Sendungen seien "furchtbar schlecht" und völlig überladen gewesen. Rückblickend beschreibt er sich sogar als "vollkommen durchgeknallten Radiomoderator auf Speed".