"Mehr miteinander sprechen"

"Kreuz ist keine Provokation" – Muslime suchen Dialog

66 Prozent der Österreicher bewerten das Zusammenleben mit Muslimen als schwierig. Man müsse mehr miteinander sprechen, sagt ein Glaubensvertreter.
Newsdesk Heute
10.02.2026, 11:30
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Innerhalb der letzten 25 Jahre hat sich die Zahl der Muslime in Österreich verfünffacht. Ganze 750.000 Menschen der Glaubensrichtung leben auf dem rot-weiß-roten Bundesgebiet. Glaubt man einer Studie des Österreichischen Integrationsfonds, gibt es einige Differenzen in der Gesellschaft. So empfinden etwa 66 Prozent der Bürger das Zusammenleben mit Muslimen als schwierig.

Der Islam gilt in Österreich als umstritten. Anders sieht dies der Obmann des Islamischen Kulturverbandes Graz, Madho Mekic. Gegenüber der "Kleinen Zeitung" meint er, dass der Westen und der Islam Hand in Hand gehen würden. Demnach sei der Islam nicht das Problem.

Schweinefleisch, Kreuz und Frauenrechte

Für ihn wäre es kein Problem, dass in österreichischen Kantinen Schweinefleisch serviert werde. Es gehöre eben zur Kultur und er wolle niemanden vom Konsum abhalten. Auch Mitglieder aus seiner Gemeinde teilen diese Ansicht. So betont eine ehrenamtliche Mitarbeiterin des Kulturzentrums, dass ein Kreuz im Klassenzimmer keine Provokation für sie darstelle. Auch die Gleichberechtigung der Frau sei wichtig, so ein weiterer Mitarbeiter.

Gegenüber der "Kleinen" erklärte Ednan Aslan, Islamforscher an der Universität Wien, warum hierzulande viele Menschen ein Problem mit der Glaubensrichtung hätten. Es werde laufend über die Trennung von Staat und Kirche, die Gleichstellung der Frau und das Kopftuch debattiert. Manche muslimische Organisationen hätten diesbezüglich noch ein Weltbild, welches im Widerspruch zu westlichen Werten stehe, so der Islamforscher.

Nur wenige Muslime "hochreligiös"

Laut dem Soziologen Kenan Güngör hätten die meisten Muslime jedoch "einen pragmatischen Zugang" zu ihrer Religion. Bei einer Studie gaben 40 Prozent an, dass der Islam keinen Einfluss auf ihren Alltag hat. Andere sprechen davon, dass sie nur aus "kultureller Gewohnheit" Moslems seien (25 Prozent). Für 15 Prozent existierte die Religion nur auf dem Papier. Lediglich 14 Prozent sehen sich als "hochreligiös" und lehnen andere Werte und Religionen ab.

Gerade die letzte Gruppe hätte aber den stärksten Einfluss auf die öffentliche Meinung, da man bei negativen Wahrnehmungen stark zum Verallgemeinern neige, meint Güngör. Zudem werde der Koran von vielen noch sehr wörtlich genommen. Diese Gruppe wäre dagegen, die Schrift auf die aktuelle Zeit anzupassen.

Kommunikation als Lösung

So kommt es auch immer wieder zu negativen Beispielen. Gegenüber der "Kleinen" hat sich auch die Direktorin einer Grazer Volksschule zu Wort gemeldet. Sie erzählte von muslimischen Schülern, die sich weigerten, neben Christen zu sitzen. Dies geht auch für den Obmann des Islamischen Kulturverbandes Mekic zu weit.

So ein Verhalten würde der zentralen Position des Islams widersprechen. Solche Fälle dürfe man nicht dem ganzen Islam anhängen. Man sollte mehr miteinander sprechen, befindet Mekic.

Fortschreitende Bedrohung

Auch die fortschreitende Bedrohung durch den radikalen Islam, die auch von der Direktion für Staatsschutz in entsprechenden Zahlen festgehalten wurde, trägt zur negativen Meinung in der Bevölkerung bei. Potenzielle Täter würden jünger und radikaler sein.

So haben noch viele Österreicher den blutigen Terroranschlag von Villach in Erinnerung. Am 15. Feber 2025 stach ein 23-jähriger Syrer auf Passanten ein. Dabei kam ein 14-Jähriger ums Leben. Der junge Syrer soll zuvor den Treuerschwur auf den Islamischen Staat (IS) abgelegt haben. Der Vollständigkeit halber muss hier auch erwähnt werden, dass der Messer-Angreifer an jenem Tag von einem anderen Syrer gestoppt wurde.

{title && {title} } red, {title && {title} } 10.02.2026, 11:30
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