Nicht an ihren Ehemann…

Kriminelle Anwaltsgattin schrieb Liebesbrief aus Häf’n

Die Frau eines Anwalts muss sich wegen eines fingierten Überfalls und verschwundenen 75.000 Euro verantworten. Der Prozess brachte eine Überraschung.
Christian Tomsits
05.05.2026, 16:39
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Dunkler Blazer, darunter eine Bluse mit Fledermausärmeln, die Haare streng zum Dutt gebunden. Am Montagmorgen wurde die rechtskräftig Verurteilte, blonde Gattin (32) und Kanzleileiterin eines bekannten Wiener Anwalts (67)  am Wiener Land vorgeführt.

Die kirminelle 32-Jährige sitzt derzeit eines verschuldeten Verkehrsunfalles mit Todesfolge in Strafhaft. Nun wird ihr vorgeworfen, im vergangenen Sommer einen Überfall auf die Kanzlei ihres Mannes vorgetäuscht und 75.000 Euro aus einem Tresor veruntreut zu haben – wir berichteten. Sie selbst hatte am 6. Juni ganz aufgeregt die Polizei gerufen, als zwei Männer ihr im Anwaltsbüro hinterlegtes Bargeld wieder abholen wollten. Laut Anklage täuschte sie nicht nur mit Worten einen gewaltsamen Übergriff vor, sondern dürfte sich sogar selbst mit Kratzern und Schürfungen verletzt haben, sie sagte anschließend tränenreich bei den Beamten aus.

"Zum Glück war die Polizei sehr rasch vor Ort und konnte beide Männer noch im Stiegenhaus antreffen, bei ihnen jedoch kein Bargeld mehr finden. Selbst Geld-Spürhunde schlugen nicht an. Und schon da fielen erste Widersprüche in der Aussage des angeblichen Opfers auf", trug der Staatsanwalt brav auswendig gelernt vor. "Der Überfall war wohl das perfekte Alibi dafür, dass Sie das Geld ausgegeben haben", konfrontierte er die Angeklagte – sie verweigerte die Aussage.

Die von Marcus Januschke Verteidigte bekannte sich zum Gros der Vorwürfe (auf der langen Liste standen noch: schwerer Diebstahl, gewerbsmäßiger Betrug, falsche Beweisaussage, Verleumdung) schuldig – bestritt jedoch reh-äugig vor dem Richter die Veruntreuung und auch, sich jemals gegenüber Mandanten als Anwältin bzw. "Frau Doktor" ausgegeben zu haben. Auch habe sie sich keine Bar-Honorare einfach eingesteckt. "Das habe ich nie gemacht und ich habe keine Ahnung, wo das Geld ist", meinte sie.

Brisanter Liebesbrief aus Häf’n

Auch der bei der Veruntreuung mitangeklagte Ehemann wollte nicht wissen, wo das Geld aus dem Tresor verblieben ist und bekannte sich nicht schuldig. "Das Ganze grenzt an Idiotie", tobte sein Verteidiger Christian Widl und schoss sich ganz auf die Gattin ein. Spannend: Aus dem Häf’n schrieb die Blondine einen mit Herzen versehenen Liebesbrief an einen ominösen Dritten, der definitiv nicht der Gatte war. Im besagten Schriftstück bezeichnete sie ihren 67-jährigen Ehemann, von dem sie vor allem finanziell profitiert haben dürfte, "liebevoll" als "Chef". Der Prozess wurde vertagt, weitere Zeugen werden benötigt. Die Unschuldsvermutung gilt.

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