Am Sonntag war der Direktor des Wirtschaftsinstituts (WIFO) Gabriel Felbermayr in der "ORF-Pressestunde" zu Gast. Themen waren die heimische Wirtschaft, die Lage im Nahen Osten und auch Pensionen. Dabei machte der WIFO-Chef eine brisante Aussage.
So müsste man es hinbekommen, dass die Menschen tatsächlich bis zum gesetzlichen Pensionsantrittsalter arbeiten. Zudem würde sich Felbermayr auch für eine Erhöhung des Antrittsalters aussprechen. Ziel sei eine Anhebung auf 67 Jahre. Hier würde Österreich im internationalen Vergleich hinterherhinken.
Das System von Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP), wonach die Arbeitsjahre entscheidend für den Pensionsantritt sein sollen, sieht der WIFO-Chef als "wichtigen Debattenbeitrag". Dennoch sollte man hier für Akademiker eine Mindestzahl an Beitragsjahren vorschreiben, die näher an den durchschnittlichen Beitragsjahren einer Person, die seit dem 15. Lebensjahr arbeitet dran ist.
Dann ließ Felbermayr mit einer weiteren Ansage aufhorchen: Schaffe man ein Paket, welches das Pensionsantrittsalter an die Lebenserwartung koppelt, könnte man sogar "über die 67 hinausgehen". Dafür brauche es dann auch Anreize für Unternehmen, die ältere Personen anstellen. Der WIFO-Direktor brachte hier das Bonus-Malus-System ins Spiel.
Beim Pensionsantrittsalter müsse man laut Felbermayr auch an die jüngeren Generationen denken. Es brauche ein Paket, das "fair und ausgewogen" ist. Es wäre laut Felbermayr "unanständig" nichts zu machen und die Pensionen schleichend zu entwerten. Maßnahmen wie ein Abschluss unter der Inflation und eine Erhöhung des Krankenversicherungsbeitrags könnten im Falle einer "Generalsanierung" nicht mehr notwendig sein, so der Experte.
Auch die Lage im Nahen-Osten war Thema, da sie sich wieder deutlich an den heimischen Zapfsäulen bemerkbar macht. Nimmt man die Referenzmarke Brent, so kostete ein Fass kurzzeitig wieder über 110 Dollar, auch beim Gas ist ein Anstieg spürbar, betonte Felbermayr.
Ihm zufolge seien die Konsequenzen klar: Der WIFO-Chef erwarte sich einen Anstieg der Inflation. Die OeNB-Einschätzung von drei Prozent halte Felbermayr für "zu vorsichtig". Auch die Füllmenge der Gasspeicher bereitet einigen vor der Heizsaison Sorgen. Hier gab WIFO-Direktor Entwarnung. Österreich stehe hier besser da, als der europäische Durchschnitt.
Bezüglich der Entwicklung der Inflationsrate meinte der Wirtschafts-Experte, dass man im Jahresverlauf den Wert von 3,2 Prozent übersteigen werde. Dieser "Inflationsdruck" würde dann auch bei den Kollektivvertragsverhandlungen Thema werden, ist Felbermayr überzeugt. Auch die Ersparnisse und Löhne der Österreicher würden weniger wert werden.
Die Spritpreisbremse der Regierung sieht Felbermayr trotz der geringen Auswirkung von 1,9 Cent positiv. Ein weiterer Eingriff in die Preise würde teuer werden. Der jetzige Weg sei in der angespannten Budgetsituation der Richtige, so der WIFO-Chef. Den Vorschlag der FPÖ, wonach die CO2-Abgabe gestrichen werden soll, hält der Wirtschafts-Experte für wenig realistisch. Dies würde zu mehr Schulden führen, wodurch die Zinsen steigen würden.
Die Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel würde laut Felbermayr zwar inflationssenkend wirken aber sei nicht ausreichend, um eine Rate von zwei Prozent zu erreichen. Laut Felbermayr müsse man bei Zusammenhang zwischen Gas- und Strompreisen ansetzen. Es gelte herauszufinden, wie man Ausflüge des Gaspreises nach oben vom Strompreis abkoppeln könne. Als Beispiel nannte der WIFO-Direktor das iberische Modell.
Für das österreichische Wirtschaftswachstum kündigte Felbermayr keine Besserung an. Ein Wachstum von 0,5 Prozent sei aber zu pessimistisch. Die Gründe für Österreichs schwache Performance sieht der Wirtschafts-Experte im geringen Produktivitätswachstum des Landes. Laut Felbermayr müssten die Standortbedingungen verbessert werden. Investitionen und Unternehmensgründungen müssten erleichtert werden. Dafür brauche es "eine Reformagenda", in der auch Europa eine Rolle spiele.
Auch die VW-Krise würde sich negativ auf die heimische Wirtschaft auswirken, da die Zulieferer hierzulande stark auf den Verbrenner ausgerichtet waren, der Rückgebaut werde. Das Problem sei in Österreich jedoch "regional konzentriert". Für die betroffenen Regionen würde es Antworten brauchen, betonte Felbermayr. Als Option sprach der WIFO-Chef die Rüstungsindustrie an. Diese würde jedoch durch strenge Kontrollen gebremst werden.
Zuletzt brachte Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) eine Idee ins Spiel, wonach Eltern für ihre Kinder Geld auf einem steuerfreien Konto bis zum 18. Lebensjahr investieren können. Auch ein Startguthaben von 500 Euro war im Gespräch. Dies finde Felbermayr aus pädagogischer Sicht grundsätzlich gut. Nur stelle sich die Frage der Finanzierung. Laut Felbermayr sei das Startguthaben bereits in die Budgetpläne des Finanzministeriums eingeflossen, neu sei jedoch die KESt-Befreiung. Diese habe man nicht budgetiert.
Zudem gibt Felbermayr zu bedenken, dass es sich bei dem Plan um eine Maßnahme für Besserverdiener handle. Es wäre eine Option, den Betrag von 5.000 Euro pro Jahr, der für einen Steuervorteil notwendig ist, auf eine kleinere Summe abzusenken. So könnte man auch die Sorgen von Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) mindern.