Kontakt zu Oma und Cousins weg

Kein Netz mehr im Iran – das war die letzte Nachricht

Yasmins Familie lebt seit Jahrzehnten im Iran, sie in Tulln. Seit im Iran das Netz gekappt wurde, ist jeglicher Kontakt zu Oma und Cousins weg.
Victoria Carina  Frühwirth
06.03.2026, 05:10
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Wenn Yasmin aus Tulln auf ihr Handy schaut, bleibt ihr Blick bei WhatsApp hängen. Seit Samstag herrscht komplette Funkstille mit ihrer Familie im Iran. Keine neue Nachricht, kein grünes Häkchen bei WhatsApp. Nur eine Netzsperre für die gesamte iranische Bevölkerung.

Iran kappt Internet von Bevölkerung

"Meine iranischen Eltern sind vor rund 30 Jahren aus Teheran nach Niederösterreich gezogen, ich bin in Tulln großgeworden", erzählt die 26-jährige Yasmin im "Heute"-Gespräch. "Meine Großeltern, Tanten, Onkel, Cousins, Cousinen und Großonkeln leben aber weiterhin im Iran. Direkt in Irans Hauptstadt Teheran, also praktisch im Hotspot der jetzigen Attacken. Das betrifft 20 Familienmitglieder von mir." Yasmin will anonym bleiben, fürchtet andernfalls Konsequenzen für ihre iranischen Verwandte.

Während über der Millionenstadt Raketen, Drohnen und Bomben einschlagen, herrscht bedrohlich wirkende Funkstille zu Yasmins Familie. "Seit Samstag habe ich keinerlei Kontakt mehr zu meiner Familie im Iran", sagt sie gegenüber "Heute". Sie vermutet, dass ihre Angehörigen in ihr Ferienhaus im Nordiran geflüchtet sind. So haben die Verwandte es auch im Jänner getan, als die Internetversorgung während Massaker und Massenproteste im Iran von offizieller Seite unterbrochen wurde.

Viele Iraner hätten ein Zweithaus im Norden Irans. Yasmin hofft deshalb, dass Israel und die USA jene Region von Raketenbeschüssen und Drohnenangriffen verschonen.

Familie von Außenwelt abgeschottet

Der letzte Kontakt zwischen der Niederösterreicherin und ihrer iranischen Familie ist in ihrem Handy abgespeichert. "Meine Cousine hat mir noch am Samstag um 16 Uhr auf WhatsApp geschrieben, 'Uns geht es gut, Yasmin, habt keine Sorge! Wir haben Hoffnung, dass der Iran befreit wird.'" Nur Stunden darauf brach die Verbindung komplett ab – etwa zu der Zeit wurde Irans oberster Anführer Ali Chamenei von der US-amerikanischen CIA getötet. "Ich habe meiner Cousine am Samstagabend geschrieben, dass Ali Chamenei getötet wurde und dass wir alle feiern und uns freuen! Bis heute hat die Nachricht aber nur einen grauen Haken – sie ging nie durch."

Der Kontaktabbruch löst in Tulln eine Mischung aus Sorge und Ohnmacht aus. "Jetzt fliegen Bomben, Raketen und Drohnen durch Teheran. Natürlich habe ich da Angst um meine Familie", so die 26-Jährige. Gleichzeitig beruhigt sie auch der fehlende Kontakt – denn keine Nachrichten heißt auch, es gibt keine schlechten Nachrichten. "Ich höre mit der Nachrichtensperre zurzeit nicht, dass jemand aus meiner Familie es nicht geschafft hat oder gestorben ist. Das hilft mir. Da ist mir kein Kontakt lieber."

Cousine von Platzpatronen zerschossen

Tatsächlich wurde Yasmins Cousine heuer direkt Opfer eines gewaltsamen Angriffs. Am 8. Jänner war sie mit ihrem Mann auf einem Straßenprotest, demonstrierte gegen das iranische Regime und für Demokratie. Bei dem Angriff soll jemand das Bein der 27-Jährigen schier mit Platzpatronen zerschossen haben. Auch andere Regimekritiker wurden von Kugeln getroffen. Noch heute sieht man die Wunden des Angriffs am Bein der zweifachen Mutter. Heute denkt in der Familie niemand mehr daran, auf iranischen Straßen zu demonstrieren.

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Unruhe für iranische Familie in Tulln

Für Yasmin sind die vergangenen Tage eine Höhen- und Talfahrt. Auf Sorge vor ersten US-Ankündigungen und tatsächlichen Raketenbeschuss folgt die Nachricht des Todes von Ali Chamenei. Tanzen, jubeln, feiern – und der unruhige Blick auf WhatsApp, ob ihre Nachrichten schon bei Tante und Cousine angekommen sind.

Heute verfolgt sie die Nachrichtenlage mit ihren Eltern pausenlos. "Wir sprechen daheim in Tulln täglich über die Situation im Nahen Osten. Bei meinen Eltern laufen den ganzen Tag Fernsehsendungen dazu", erzählt Yasmin im "Heute"-Gespräch. Auch die 26-Jährige durchkämmt stundenlang Nachrichten auf Instagram. Aber: "Mir fällt auf, dass meine Familie aus dem Iran nicht postet. Seit Tagen ist es lautlos und eingefroren auf allen Social-Media-Profilen."

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