Seit Jahren benötigt der SV Austria Salzburg dringend ein gerechtes Stadion. Die aktuelle Sportanlage in Maxglan platzt aus allen Nähten, ist nur für 1.566 Zuschauer zugelassen und nun zum 22. Mal in Folge ausverkauft – oft könnte ein Zehnfaches an Tickets abgesetzt werden. Mehr dürfen ins Stadion am Flughafen aus Lärmschutzgründen und zu wenigen Parkplätzen aber nicht hinein.
Schon 2021 wurde vom Hauptsponsor ein ausfinanziertes Stadionprojekt vorgelegt – die Stadt lehnte ab. 2022 folgte eine Demonstration – die Stadt lehnte ab. 2023 marschierte Austria Salzburg in Richtung 2. Liga, krönt sich 2024 zum Meister – durfte wegen des Stadions nicht aufsteigen. Nach einem neuerlichen Meistertitel 2025 und einigen Adaptierungen gab es letztlich doch grünes Licht für den Aufstieg – mit einem Ablaufdatum für das Stadion.
In der Stadt Salzburg selbst gibt es kein einziges Bundesliga-taugliches Stadion. Jenes in Wals-Siezenheim ist bereits mit zwei Vereinen voll belegt, das Stadion in Grödig ist mittlerweile nicht mehr für die höchste Spielklasse zugelassen (und auch von der Gemeinde selbst gibt es großen Widerstand).
Und seither hat sich in der Stadionfrage noch immer nichts getan, auch wenn regelmäßig Politiker von KPÖ, FPÖ oder ÖVP dafür online in die Bresche springen. Über 16.000 verfolgten am Freitag das Westderby in Innsbruck, beim Rückspiel werden es weniger als zehn Prozent dessen sein – sofern es überhaupt vor Zuschauern ausgetragen werden kann.
Schon sieben Tage später sorgt die Stadionproblematik in der Stadt Salzburg abermals für Ausnahmezustand. Für den Zweitliga-Kracher gegen Blau-Weiß Linz am Freitag um 20.30 Uhr würden wohl um die 1.000 Gäste-Fans in die Mozartstadt reisen – doch wegen der geringen Kapazität kann es nur 156 Gäste-Tickets geben.
Die Linzer Fanclubs wollen diese "inakzeptable Situation" in Salzburg aber nicht einfach so hinnehmen. Sie kündigten an, trotzdem in voller Stärke anreisen zu wollen – mit oder ohne Ticket. "Während für einen Milliarden schweren Getränkekonzern Milch und Honig fließen, wird die Untätigkeit und Unfähigkeit der Verantwortlichen in Salzburg damit auch auf dem Rücken der Fans des FC Blau-Weiß Linz ausgetragen", wird bemängelt.
Sogar in Kooperation mit Austria Salzburg wurde eine Art Public Viewing am Parkplatz angedacht, die Behörden schoben dem aber später einen Riegel vor. Die Polizei muss sich entsprechend für eine nun äußerst brenzlige Situation rüsten – und hat sich dafür bereits rechtlich gewappnet.
Das Gebiet rund um das Stadion in Maxglan wurde zum "Sicherheitsbereich" erklärt. Begründet wird das mit der erwarteten Teilnahme "gewaltbereiter Personen" und einer "allgemeinen Gefahr für die Gesundheit mehrerer Menschen und für Eigentum in großem Ausmaß". Mit der Verordnung Einher gehen mögliche Wegweisungen, anlassunabhängige Kontrollen und Überwachungsmaßnahmen.
Kurioser Nebenaspekt: Im Verordnungstext wird das Stadion irrtümlich als "Red-Bull-Arena" bezeichnet. Noch kurioser: Die Gastgeber mussten laut "Kronen Zeitung" ein erweitertes Sicherheitskonzept einreichen. Dieses sieht etwa vor, dass kein übliches Stiegl-Goldbräu, sondern nur Leichtbier ausgeschenkt werden darf. Spritzer sind komplett verboten. Ein Teil des Geländes muss zudem mit Planen blickdicht gemacht werden.
Und was machen die violetten Fans? Nachdem die viel heraufbeschworenen Ausschreitungen beim Auswärts-Derby von Salzburger Seite ausgeblieben sind, gibt sich die "Curva Viola" auch in ihrer aktuellen Stellungnahme friedfertig. Darin drückt man Solidarität mit den Gästefans aus und greift zu seltenen, drastischen Maßnahmen: Die eigentlich für dieses Spiel geplante Choreografie wurde abgesagt, in den ersten zehn Minuten werden auch die Heim-Fans einen Stimmungsboykott setzen.
"Gleichzeitig zeigt die aktuelle Lage einmal mehr ein Problem auf, auf das seit Jahren hingewiesen wird: Die bestehende Infrastruktur wird der Austria nicht gerecht. Eine nachhaltige und zukunftsfähige Stadionlösung ist längst überfällig. Nur so können Zustände wie diese künftig vermieden werden." Unverständlich sei auch, dass begleitende Lösungen oder Komptromisse nicht zugelassen werden.