Ein unscheinbares Geschäft, dunkle Drohungen und ein perfekt organisiertes Familien-System! In Linz hat die Polizei einen Drogenring gesprengt, der jahrelang aktiv gewesen sein soll. Im Fokus steht eine Familie – Mutter, Vater und Sohn. Alle drei sitzen mittlerweile in Haft.
Die Ermittler sprechen von einem der wichtigsten Schläge gegen die Szene der letzten Jahre. Vor allem im Linzer Süden rund um das Kremplhochhaus soll das Trio das Geschehen maßgeblich bestimmt haben.
Dreh- und Angelpunkt des Geschäfts war laut Ermittlungen ein Afrika-Shop in der Wiener Straße. Nach außen ein gewöhnlicher Shop – hinter den Kulissen soll hier ein reger Handel mit Kokain und Cannabis gelaufen sein. Kunden kamen nicht nur aus Linz, sondern aus ganz Oberösterreich.
Die Struktur dahinter war klar: Der Sohn organisierte die Ware und gab sie an sogenannte Läufer weiter. Diese verkauften das Suchtgift weiter – oft nur kurz in Österreich, meist in angemieteten Wohnungen untergebracht. Der Vater fuhr die Dealer herum und kassierte das Geld. Die Mutter stellte den Shop und soll selbst aktiv mitgemischt haben.
Besonders brisant: Viele der Subdealer schwiegen gegenüber den Ermittlern. Der Grund dafür sorgt jetzt für Aufsehen. Ihnen und ihren Familien sollen Voodoo-Zauber angedroht worden sein.
Diese Drohkulisse dürfte massiv gewirkt haben. Aussagen blieben aus, Kooperation gab es kaum. Für die Polizei bedeutete das monatelange, mühsame Ermittlungen - oft im Verborgenen, mit Beamten in Zivil direkt vor Ort.
Als die Polizei schließlich zuschlug, zeigte sich, wie kreativ der Ring vorging. Drogen wurden in Flaschen, Tiefkühltruhen, hinter Heizkörpern und in Sofaritzen versteckt. Die Mutter (60) soll ihren Büstenhalter genutzt haben, um Kokain zu verstecken. Ein kurioses, aber offenbar effektives Versteck im laufenden Geschäft.
Der Zugriff brachte eine massive Bilanz: 85 Händler und Konsumenten wurden festgenommen, gegen weitere Verdächtige bestehen Haftbefehle. Rund 80.000 Euro Bargeld sowie größere Mengen Suchtgift wurden sichergestellt.
Der Sohn gestand den Verkauf von mehr als 23 Kilogramm Cannabis. Beim Kokainhandel weist er die Vorwürfe zurück. Neben den Drogendelikten deckten die Ermittler auch weitere Straftaten auf – darunter Geldwäsche, Raub, Einbrüche und Drohungen.
Wie die "Krone" berichtete, soll der Ring sogar Jugendliche erreicht haben. Demnach gehörten auch Schüler aus der Umgebung zu den Abnehmern – ein besonders heikler Aspekt des Falls.
Die drei Hauptverdächtigen galten zuvor als unbescholten. Umso größer ist jetzt das Erstaunen über das Ausmaß des Systems. Der Afrika-Shop ist geschlossen, der Ring zerschlagen – doch der Fall zeigt, wie perfide Angst, Familie und Geschäft im Hintergrund zusammenspielen können.