Nach dem Haiangriff auf eine Urlauberin aus Linz auf den Galápagos-Inseln verdichten sich die Hinweise darauf, dass ein besonders großes Tier hinter der Attacke stecken könnte. Offiziell machen die Behörden weiterhin keine Angaben zur Art oder Größe des Hais. Ein Detail aus den laufenden Untersuchungen sorgt nun aber für Aufsehen.
Unmittelbar nach dem Vorfall setzte die Direktion des Galápagos-Nationalparks sämtliche Schnorchelaktivitäten in der Bucht von Santa Fe aus. Dort war die Österreicherin beim Schnorcheln von einem Hai gebissen worden.
Kurz darauf machten Parkranger und Tourismusanbieter einen brisanten Fund: Ein ausgewachsener männlicher Seelöwe wurde mit frischen schweren Bissverletzungen entdeckt. Die Wunden deuten laut Behörden auf einen erst kurz zuvor erfolgten Angriff hin.
Genau dieser Fund beschäftigt nun Experten. Ausgewachsene Galápagos-Seelöwen werden mehr als zwei Meter lang und bringen oft deutlich über 100 Kilogramm auf die Waage. Ein Hai, der ein derart großes Tier angreift, zählt üblicherweise zu den größten Räubern der Inselgruppe.
Offizielle Bestätigungen gibt es bisher nicht. Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass die rund um die Inseln häufig vorkommenden Weißspitzen-Riffhaie normalerweise keine typischen Jäger ausgewachsener Seelöwen sind.
Deshalb rücken nun größere Arten in den Fokus. Als mögliche Kandidaten gelten der Galápagoshai oder ein Tigerhai. Beide Arten können deutlich länger als zweieinhalb Meter werden und stehen an der Spitze der Nahrungskette.
Es ist absolut realistisch, laut der wissenschaftlichen Hai-Tracking-Webseite ocearch.org befinden sich gerade jetzt mehrere Tigerhaie in den Gewässern um die Insel.
Gleichzeitig gehen die Ermittler einem weiteren Verdacht nach. Hinweise auf illegale Fischerei in der geschützten Bucht werden derzeit überprüft. Lokale Tourismusanbieter vermuten, dass Fischabfälle oder entsorgte Innereien ins Wasser gelangt sein könnten. Dadurch könnte sich das Verhalten der Haie verändert haben.
Die Nationalparkverwaltung betont, dass Angriffe auf Menschen auf den Galápagos-Inseln äußerst selten sind. Menschen gehören nicht zur natürlichen Beute der Tiere. Experten gehen in solchen Fällen meist von einer Verwechslung oder einem sogenannten Erkundungsbiss aus.
Bis die Ursache geklärt ist, bleiben die Schnorchelverbote in der Bucht von Santa Fe aufrecht. Ein wissenschaftliches Team untersucht derzeit die Vorgänge vor Ort.